Staatskonzerne
Weitere Schuldenlawine rollt auf Dubai zu

Der Schuldenberg von 100 Milliarden Dollar, dem sich das Dubai gegenüber sieht, könnte erst der Anfang einer ganzen Reihe von Forderungen gegen das Emirat sein. Sollte der staatliche Baukonzern Nakheel eine in der nächsten Woche fällige Anleihe nicht zurückzahlen können, bekommt die Schuldenlawine neuen Schwung. Und Nakheel ist nicht der einzige Gefahrenherd.
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DUBAI. Das Emirat Dubai, das mit 100 Mrd. Dollar in der Kreide steht, muss mit einer weiteren Schuldenlawine rechnen. Sollte der Baukonzern Nakheel seine vier Mrd. Dollar schwere Anleihe nicht fristgerecht zum 14. Dezember zurückzahlen, könne auf die staatliche Muttergesellschaft Dubai World eine Kette von Forderungen zukommen, warnen Experten. „Viele Kreditverträge haben eine Klausel über reziproken Verzug: Wenn ein Unternehmen einer Holding zahlungsunfähig wird, haben die Gläubiger anderer Firmen der Holding Anspruch auf sofortige Zahlung. Das ist eine potentielle Zeitbombe“, sagte Jawad Ali von der Anwaltskanzlei King & Spalding. Im Klartext: Sollte Nakheel seine Außenstände nicht begleichen, muss die Mutter Dubai World einkalkulieren, dass alle Gläubiger plötzlich ihre Ansprüche geltend machen.

Dubai World hatte mit der Bitte um ein Schuldenmoratorium die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt. Die Außenstände des Staatskonzerns werden auf 59 Mrd. Dollar taxiert. Die Regierung von Dubai will 26 Mrd. davon restrukturieren. Dubai World hat insgesamt 70 Gläubigerinstitute.

Auch an anderer Stelle drohen neue Milliardenforderungen. So muss die staatliche Versorgungsfirma Dubai Electricity & Water Authority (DEWA) möglicherweise noch in diesem Monat eine Anleihe über zwei Mrd. Dollar zurückzahlen. Das Unternehmen hatte den Bond, der eigentlich 2036 fällig wird, 2007 und 2008 aufgelegt. Da die Ratingagentur Fitch die Firma auf BBB- herabgestuft hat, greift nun aber eine automatische Beschleunigungsklausel im Vertrag: Weil die Rating-Stufe von A- unterschritten wurde, können die Gläubiger de jure bereits im Dezember auf ihr Geld pochen. „Es ist gut möglich, dass auch in weiteren Kreditverträgen in der Region Fälligkeiten an gewisse Minimal-Ratings gekoppelt sind“, sagte Jan-Willem Plantagie von der Ratingagentur S & P.

Der Fall ist politisch brisant, da DEWA eines der wenigen Unternehmen ist, das über eine Garantie der Regierung von Dubai verfügt. Falls die Gläubiger auf einer fristgerechten Bezahlung der Schulden bestehen, ist die öffentliche Hand praktisch dazu verdammt, einzuschreiten, um das Gespenst eines Staatsbankrotts abzuwenden. Das würde wiederum ihre Haltung gegenüber den Schulden von Dubai World konterkarieren. Die Behörden von Dubai stehen auf dem Standpunkt, dass der Konzern zwar in der Hand der Regierung ist, aber keine Garantie für die Außenstände vorliegt. Hier werde mit zweierlei Maß gemessen, monieren Kritiker.

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