Staatspapiere unter Druck
Italien sucht nach Heilmittel gegen steigende Zinsen

Der Wahlausgang in Griechenland senkt nicht den Druck auf Spanien. Die Kurse der Staatspapiere fallen. Dauerhaft wird Madrid seine Schulden nicht finanzieren können. Auch Italien leidet - und sucht nach Hilfsmitteln.
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FrankfurtNach der schnell verflogenen Freude über den Wahlsieg der griechischen Spar-Befürworter sind am Montag verstärkt die Probleme Spaniens in den Fokus von Investoren gerückt. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen aus Madrid stieg bis auf 7,24 Prozent; so hoch war sie noch nie seit Einführung des Euro. Im späten Vorwochengeschäft hatten die Titel noch mit 6,9 Prozent rentiert. Im Schlepptau der Spanier zogen auch italienische Renditen spürbar an; zehnjährige Papiere warfen in der Spitze 6,14 (5,9) Prozent ab.

Italien will daher im Kreis der Euro-Länder Methoden zum „halb-automatischen Abbau von Risikoaufschlägen“ auf Staatsanleihen zur Diskussion stellen. „Die Idee ist, in der Eurogruppe in dieser Woche über Mechanismen zu diskutieren, die halb-automatisch ausgelöst werden, wenn die Spreads zu hoch sind mit dem Ziel, diese zu reduzieren“, sagte der italienische Europaminister Enzo Moavero am Montag in Brüssel. Dafür könne die Europäische Zentralbank zuständig sein oder der künftige Euro-Rettungsschirm ESM. Allerdings müsse die Unabhängigkeit der EZB bewahrt werden.

Ministerpräsident Mario Monti hatte vor Kurzem gewarnt, der Reformwille der Bevölkerung werde erlahmen, wenn ihre Opfer sich nicht in sinkenden Zinsen niederschlügen. Moavero ging nicht näher auf Details des ins Spiel gebrachten Mechanismus ein. Mit Blick auf die EZB ergänzte er, Italien werde aus Respekt vor der Unabhängigkeit der Zentralbank diese nicht um den Aufkauf seiner Staatsanleihen bitten. „Aber offenkundig ist jeder Schritt zum Abbau der Spreads willkommen.“

Am Morgen hatten Investoren zunächst erleichtert auf den Wahlsieg der griechischen Konservativen reagiert. Dies hatte auch den europäischen Rentenpapieren eine gewisse Entspannung gebracht. Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone sei nun zumindest weniger wahrscheinlich geworden, so die Begründung. Das Aufatmen war aber nur kurz, und schnell rückten die Probleme der gesamten Euro-Zone wieder in den Blick. „Um ehrlich zu sein, Griechenland liegt schon wieder nicht mehr so im Fokus“, sagte Zinsstrategin Alisabeth Afseth von Investec in London. "Es ist ohne Zweifel sehr wichtig, aber die noch entscheidendere Frage ist derzeit, wie man Spanien in den Griff bekommt. Da zeichnet sich bislang keine befriedigende Lösung ab."

Spaniens großes Problem sind seine wegen fauler Immobilienkredite hoch verschuldeten Banken. Erst vor einer Woche hatte sich das Land dazu durchgerungen, für die Institute europäische Rettungsgelder zu beantragen. Unklar ist allerdings nach wie vor, wie hoch die Hilfen ausfallen und aus welchem Topf sie kommen sollen. Zudem fürchten Analysten, dass die dann noch höhere Staatsverschuldung Madrid über den Kopf wachsen könnte. Griechenland, Irland und Portugal hatten sich jeweils zu Hilfsanträgen gezwungen gesehen, kurz nachdem die Renditen ihrer Staatsanleihen über die Sieben-Prozent-Marke geklettert waren.
Von den unklaren Perspektiven für die Südeuropäer profitierten wieder einmal die als sicherer Hafen geltenden Bundesanleihen. Der richtungsweisende Bund-Future zog um bis zu 80 Ticks auf 143,09 Zähler an. Die zehnjährigen Papiere rentierten mit 1,41 (1,45) Prozent.


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ob Ihr den Blödsinn den Ihr schreibt auch wirklich glaubt!
    Ich denke aber es ist aufgestauter Hass wegen des verlorenen Krieges und der darauf folgend Teilung Deutschland.
    Einfach typisch deutsche Gehässigkeit!

  • An den Äußerungen erkennt man doch schon wieder, dass billiges Geld das Ziel ist und nicht solide Staatsfinanzen. Hauptsache Schulden (zu günstigen Zinsen von der EZB) aber blos nicht die Ausgaben senken/Einnahmen erhöhen (der Konsolidierungswille erlahmt).
    So wird das nichts...

  • Nicht nur hier schimpfen. Mailt die Politiker an. Wenn man Bundestagsabgeordnete googelt, findet man alle.
    Ganz einfach - Vorname.Nachname@bundestag.de

    Man muss diesen Herrschaften mitteilen, dass wir sie niemals wieder wählen werden, wenn sie den ESM unterschreiben.
    Unsere Politiker wurden nur für 4 Jahre gewählt. Sie wurden nicht gewählt, um in dieser Zeit Verträge zu brechen (NO Bail-out Rule) und deutsches Steuergeld in Fässer ohne Boden im Ausland zu versenken!
    Sie wurden auch nicht gewählt, um die deutsche Souveränität aufzugeben.

    Man muss ihnen direkt mitteilen, was man davon hält!
    Tun Sie bitte alle was. Es kostet doch nur Minuten!
    Ist der ESM erst installiert, haben wir die A.....karte gezogen. Denn auf unser BVerfG kann man auch nicht hoffen.
    Das unterliegt den Weisungen der Politik!

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