S&P-Urteil für Italien
Herabstufung kommt Italien teuer

Das Euro-Krisenland Italien muss nach der Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit durch S&P bei der Platzierung ihrer jüngsten Anleihe höhere Zinsen bezahlen. Die Regierung in Rom schimpft auf die Ratingagentur.
  • 30

RomItalien muss nach der Ratingabstufung durch Standard & Poor's höhere Zinsen zahlen. Bei einer Versteigerung von Geldmarkttiteln mit Fälligkeit in sechs und zwölf Monaten stiegen die Renditen am Mittwoch, wie aus Zahlen der italienischen Notenbank hervorgeht.

Italien nahm aber mit 9,5 Milliarden Euro so viel Mittel auf wie geplant. Das kürzerlaufende Papier rentierte mit 0,6 Prozent und damit etwa 0,2 Punkte höher als bei der vergleichbaren Auktion Mitte Mai. Die Rendite des einjährigen Schuldtitels stieg verglichen mit Mitte Juni um 0,38 Punkte auf knapp 1,1 Prozent an.

Der Renditezuwachs dürfte aber nicht nur auf die jüngste Ratingabstufung durch Standard & Poor's, sondern auch auf das allgemein höhere Zinsniveau zurückgehen, ausgelöst durch die absehbare geldpolitische Wende in den USA.

Italiens Regierung kritisierte die Senkung der Kreditbewertung des Euro-Krisenlandes durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) als falsch und kleinlich. Die Analysten der Agentur berücksichtigten die bereits vorbereiteten Maßnahmen der neuen Regierung unter Enrico Letta nicht, hielt das Wirtschaftsministerium in Rom am Dienstagabend der Herabstufung der Bonität Italiens entgegen.

Auch das Basel Institute of Commons and Economics hält die weitere Abwertung von Italien nach aktuellen Berechnungen nicht für gerechtfertigt. So seien die Staatsschulden in Italien zwischen 2009 und 2012 um nur 12,4 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Deutschlands seien die Schulden im gleichen Zeitraum um 22,4 Prozent und in Frankreichs um 26,14 Prozent gestiegen.

Im Gegensatz zum Maastricht-Kriterium betrachtet das Basel Institute of Commons and Economics das Verhältnis von Staatseinnahmen und Staatsschulden. Italien, das nach dem Maastricht-Kriterium zu den am schlechtesten bewerteten Staaten der EU gehört, schneidet im Basel Kriterium sehr gut ab.

„Denn obwohl die Italiener 2012 einen Wachstumsrückgang von 2,2 Prozent verbuchen mussten, konnten sie ihre Staatseinnahmen um 2,47 Prozent steigern und ihre Schulden im letzten Quartal 2012 als einziger der großen Industriestaaten sogar leicht reduzieren“, sagt Alexander Dill, Vorstand des Instituts. Wie der Vergleich insbesondere auch mit den USA zeige, habe Italien 2012 eine hervorragende Finanzpolitik betrieben. „Da in Italien auch ein sehr erfolgreiches Programm von sogenannten „Patriotenanleihen“ läuft und die meisten Anleihen innerhalb von Italien gehalten werden, ist eine Herabstufung der Bonität Italiens insbesondere im Vergleich zu den USA nicht gerechtfertigt“, sagt Dill.

S&P hatte das Rating für das Land wegen der schwachen Aussichten für die konjunkturelle Entwicklung von „BBB+“ auf „BBB“ gesenkt. Italien steckt in einer anhaltenden Rezession. An den Finanzmärkten sorgte die Aktion für Verstimmung. Die Zinsen zogen an: Zehnjährige Bonds warfen 4,497 Prozent ab nach 4,399 Prozent am Dienstag. Die Börse in Mailand fiel zeitweise um 1,4 Prozent.

Die Verstimmung schwappte auch auf spanische Anleihen über: Die Rendite der zehnjährigen Titel lag bei 4,819 Prozent nach zuvor 4,690 Prozent. "Die Herunterstufung Italiens signalisiert, dass weitere Ratingveränderungen möglich sind und auch Spanien besorgt sein sollte", sagte Jan von Gerich, Analyst bei Nordea. Spanien wird bei S&P bereits mit "BBB-" bewertet, eine weitere Senkung der Bonitätsnote würde das Abrutschen auf Ramschniveau bedeuten.

Seite 1:

Herabstufung kommt Italien teuer

Seite 2:

Regierungschef kritisiert die Ratingagentur

Kommentare zu " S&P-Urteil für Italien: Herabstufung kommt Italien teuer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.


  • Besorgniserregend ist und bleibt für Italien der seit Jahren anhaltende Verlust von Arbeitsplätzen in der einst blühenden Mittelstands-/Kleinindustrie. Mit gravierener Auswirkung für den regionalen Bereich.
    Wer Arbeitsplätze im produktiven Bereich abbaut, kippt. Siehe USA Great America.

  • Nach den Wahlen im September werden unter der grossen Koalition auf Drang der SPD EUROBONDS eingeführt. Dann haftet der deutsche Steuerzahler für die ganze Fäulnis der EU. Dann haben Ratingagenturen keine Bedeutung mehr.

  • @ana...

    Nö, Italien ist mit BBB noch (zu) gut bedient. Ich würde jedenfalls keinen Cent dort investieren (aber auch nicht in Frankreich !). Aber die Amis sind mit AA unverschämt gut bedient.
    Die Hintergründe hat "hafnersp" schön zusammengestellt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%