Toshiba-Chef Nishida
Wer redet hier von Schlappe?

Toshiba-Chef Atsutoshi Nishida musste eine schwere Niederlage einstecken: Sein Favoriten-Format für die DVD-Nachfolge unterlag dem Blu-Ray-Standard von Sony. Und doch bleibt Nishida Sieger: Die Medien berichten wohlwollend, der Aktienkurs seines Unternehmens steigt.

TOKIO. Der Präsident des japanischen Elektronikkonzerns Toshiba, Atsutoshi Nishida, beweist wieder einmal sein Talent als Krisenmanager: Er muss zwar eine Niederlage verkünden, weil sich der Konzern aus der Vermarktung seiner neuen Videotechnik HD-DVD zurückzieht. Aber gleichzeitig präsentiert er einen Plan für Milliardeninvestitionen in die Produktion von Speicherchips.

Die Massenmedien spielen mit. Was wie eine Niederlage gegen den Rivalen Sony hätte aussehen können, der mit seinem Blu-ray-Videostandard künftig den Markt kontrolliert, wirkt plötzlich wie eine wohlerwogene Entscheidung. Die Börse spielt mit. Der Aktienkurs steigt.

Damit wiederholt Nishida ein Kunststück, das ihm bereits im vergangenen Jahr gelang. Er zog sich aus der Entwicklung von TV-Geräten zurück, die ihre Bilder mit Dioden erzeugen, und gab zugleich eine Allianz mit Sharp für die Produktion von herkömmlichen Flachfernsehern bekannt. In beiden Fällen gelang es dem 64-Jährigen, Toshibas starkes Image zu retten und zugleich strategisch nach vorn zu steuern. Denn gerade Neuigkeiten rund um die Unterhaltungselektronik prägen das Bild in der Öffentlichkeit – wenn auch Toshiba das meiste Geld mit Chips und der Kraftwerkssparte verdient. Konsumelektronik und Hausgeräte machen zusammen nur sieben Prozent des Umsatzes aus.

Nishida hat auch in Unternehmenskrisen bewiesen, dass er das Steuer herumreißen kann. Als er 2003 die Leitung der Computer-Sparte übernahm, schrieb sie rote Zahlen. In nur einem Jahr schaffte er die Wende. Zwei Jahre später wurde er Konzernchef – und bewies Mut zu großen Investitionen und kaufte den US-Kraftwerksbauer Westinghouse.

Toshiba macht heute 45 Milliarden Euro Umsatz und ist an der Börse Tokio 17 Milliarden Euro wert. Der Konzern gehört zu jenen in Japan, welche die Analysten derzeit hoch loben, weil sie rasch internationaler werden, ohne ihre Heimatbasis zu verlieren.

Die Internationalisierung fällt Firmenchef Nishida leicht – er verfügt über reichlich Erfahrung im Ausland. Mitte der 80er-Jahre ist er einer der Vizechefs von Toshiba Europa in Neuss bei Düsseldorf. Ab 1994 leitet er den Geschäftsbereich Informationssysteme von Toshiba Amerika. Schon hier kommt ihm seine Fähigkeit zugute, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wenn er spricht, dann kommt er stets schnell auf den Punkt.

Als er am Dienstag den endgültigen Rückzug von HD-DVD bekanntgab, entschuldigte er sich zwar. Aber vom Ton her klang es eher wie eine Kampfansage an Sony im weiteren Konkurrenzkampf um die Kunden auf den Elektronikmärkten.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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