Unternehmensbonds
Firmen schließen Kleinanleger aus

Kleinanleger haben immer weniger Auswahl, wenn sie ihr Geld in Unternehmensanleihen investieren wollen. Denn die großen europäischen Konzerne teilen ihre neu aufzulegenden Bonds immer häufiger in Stücke zu 50 000 Euro Nennwert ein statt in die traditionell üblichen zu 1 000 Euro. Für Privatlaute ist das nahezu unbezahlbar.

FRANKFURT. Nach Daten der Börse Stuttgart wurden von den in diesem Jahr aufgelegten und börsennotierten Firmenanleihen 42 Prozent in 50 000er-Stückelungen angeboten; 2005 waren es noch acht Prozent. Der Grund: "Die Firmen können sich seit der Rechtsänderung Mitte 2005 durch diese Stückelung den aufwendigen Wertpapierprospekt sparen", sagt Matthias Gündel von der auf Wertpapierprospekte spezialisierten Kanzlei Werner, Gündel & Collegen.

Zum 1. Juli 2005 waren die Anlegerschutzvorschriften im Wertpapierprospektgesetz auf Grund von EU-Vorgaben verschärft worden. Im Gegenzug ist seither erlaubt, europaweit ohne Prospekt Wertpapiere anzubieten, wenn man sich nur an professionelle Anleger wendet. Als Kriterium für die ausschließliche Ansprache von Profis gelten seither Nennwertstücke von 50 000 Euro und mehr. "Der Schuss geht aber jetzt nach hinten los", sagt Rolf Deml, Geschäftsführer bei der auf Kleinanleger spezialisierten Börse in Stuttgart. Ginge die Entwicklung so weiter, wäre die 1 000er-Stückelung bald nur noch die Ausnahme. Privatanleger würden so faktisch vom Bondhandel ausgeschlossen. Die Konzerne können sich dies leisten, weil derzeit viele potenzielle Geldgeber in den Märkten nach Anlagemöglichkeiten suchen, so dass die Unternehmen ihre Anleihen einfach platzieren können.

Einige der Unternehmen, darunter Großkonzerne wie Vodafone, Daimler-Chrysler und Bayer, gehen mit der Situation durchaus offensiv um. "Weil das EU-Recht die Vorgaben für den Bondvertrieb an Privatanleger so hoch geschraubt hat, haben wir uns für ein vereinfachtes Zulassungsverfahren entschieden", sagt ein Bayer-Sprecher. Zu teuer, zu kompliziert und wegen der Prospekthaftung zu risikoreich seien die Regeln für die Prospekterstellung, heißt es auch bei anderen Konzernen. Die meisten professionellen Anleger legten außerdem keinen Wert auf kleinere Stückelungen. Daimler-Chrysler wird noch deutlicher: "Wir haben - wie andere Emittenten auch - entschieden, bis auf weiteres bei Emissionen nur noch institutionelle Investoren anzusprechen", sagt eine Sprecherin des deutsch-amerikanischen Autoherstellers.

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