Viele Experten halten Erwartungen an die Preissteigerung in Europa für zu hoch
Anleihen mit Inflationsschutz gelten aktuell als zu teuer

Steigende Verbraucherpreise und das teure Öl haben Inflationsängste bei Investoren in den Blickpunkt gerückt. Hohe Preissteigerungsraten sind vor allem bei festverzinslichen Anleihen ein Rendite-Killer, denn real gesehen müssen sie von den nominalen Zinsscheinen und Rückzahlungsbeträgen abgezogen werden.

FRANKFURT/M. Die Sorgen in Sachen Preisstabilität haben Anleihen mit Inflationsschutz in der Gunst der Investoren in letzter Zeit steigen lassen. Folge: Die Kurse dieser Bonds sind deutlich gestiegen und ihre Renditen entsprechend gesunken. Inzwischen halten Fondshäuser wie Mellon Newton, Julius Bär oder Cominvest den Schutz vor Inflation aber für zu teuer.

So bietet die französische, an den harmonisierten europäischen Verbraucherpreisindex gekoppelte Staatsanleihe, die in neun Jahren fällig wird, derzeit nur noch eine reale Rendite von 1,76 Prozent. Eine herkömmliche französische Staatsanleihe mit ähnlicher Laufzeit rentiert dagegen nominal mit 4,06 Prozent. Aus der Differenz zu der an die Inflationsrate gekoppelten Anleihe errechnet sich eine so genannte Break-Even-Inflationsrate von 2,3 Prozent. In den vergangenen zehn Jahren lag die jährliche Teuerung in der Euro-Zone aber im Schnitt nur bei zwei Prozent. „Von daher sind die Papiere in Euro-Land etwas teuer“, meint Sarah Lütgert, Rentenstrategin bei der WestLB. Generell sind die Kupons von Anti-Inflationsanleihen allerdings niedriger als die von herkömmlichen Staatsanleihen.

In den USA dagegen sind Anleihen mit Inflationsschutz Lütgert zufolge durchaus noch attraktiv. Hier sei eine Inflationsrate von 2,4 Prozent eingepreist, erwartet werde aber 2004 aber eine Teuerung von im Schnitt drei Prozent.

Die Inflation Linked Bonds oder kurz Linker genannten Anleihen eignen sich laut Lütgert prinzipiell für Investoren, die erwarten, dass die Inflation stärker steigt als derzeit angenommen. „Wer jedoch davon ausgeht, dass die Inflation eher niedrig bleiben wird, muss sich auf dem derzeitigen Bewertungsniveau nicht unbedingt den Inflationsschutz sichern“, ergänzt Wolfgang Kaiser, Analyst bei Fonds Consult, einem Anbieter von Fonds-Research und Fonds-Rankings.

Bislang haben sich die Anleihen mit Inflationsschutz und die entsprechenden Fonds sehr gut entwickelt. Dabei gibt es in Deutschland aber nur wenige zugelassene Fonds für Linker.

An die Inflationsrate gekoppelte Anleihen entwickeln sich in der Regel stabiler als herkömmliche Anleihen. Denn die Kurse von konventionellen Bonds geraten gerade bei Inflationsängsten stark unter Druck. In diesem Jahr sind deren Renditen bereits deutlich gestiegen, nachdem die meisten Experten bis Jahresende angesichts der weltweiten moderaten Konjunkturerholung und der eingeläuteten Leitzinswende in den USA einen weiteren Anstieg der Kapitalmarktzinsen in Europa und den USA erwarten.

Vor Kursverlusten sind allerdings auch die Linker nicht gefeit. So hebt Fondsexperte Kaiser hervor, dass es Marktphasen gibt, in denen die an die Inflationsrate gekoppelte Bonds sogar stärker unter Druck kommen können als herkömmliche Anleihen. Dies geschah zuletzt im April am US-Markt. Das lag daran, dass die Inflation in den Renditen eingepreist war, die Renditen aber auf Grund höherer Wachstumserwartungen stiegen. Das schlug bei den Linkern stärker durch als bei konventionellen Bonds. Im Mai drehte sich der Trend indes angesichts steigender Ölpreise und Inflationsgefahren wieder um.

Unabhängig von der Entwicklung der Linker sind Experten sicher, dass der Markt weiter wachsen wird. Insgesamt gibt es weltweit an die Inflationsrate gekoppelte Bonds im Volumen von über 500 Mrd. Dollar. Es hat sich damit in den vergangenen sieben Jahren verfünffacht. In der Euro-Zone kommt der größte Teil dieser Papiere aus Frankreich, von denen die meisten an die Entwicklung den französischen Verbraucherpreisindex – ohne Tabak – gekoppelt sind. Aus Deutschland könnte es im nächsten Jahr die ersten Linker geben. Anfang Juni genehmigte der Bund der für die Schuldenverwaltung zuständigen Finanzagentur die Emission dieser Papiere.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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