Zinsen
Französische Anleihen sind wieder gefragt

Die Anleihe-Investoren haben ihre Abneigung gegenüber Frankreich abgelegt. Das Land gilt bei den meisten wieder als sicherer Hafen, wenn auch nicht so sicher wie Deutschland. Einige Experten zweifeln jedoch.
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DüsseldorfInvestoren kaufen wieder französische Anleihen. Das war zeitweise vor der Präsidentschaftswahl anders. Zur Zeit seien Frankreich-Anleihen mit Fälligkeiten bis 25.04.2060 erhältlich, heißt es auf Finanzen.net. Die Kupons reichten bis 8,5 Prozent. Insgesamt betrage das ausstehende Volumen mehr als 1.000 Billionen Euro. In den kommenden 5 Jahren würden davon mehr als 400 Milliarden Euro fällig.

Die Renditen für zehnjährige Papiere Frankreichs pendeln schon länger bei rund 2,1 Prozent. Am Dienstag erreichte die Rendite mit 2,07 Prozent den tiefsten Stand seit Ende August, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Sätze der Franzosen-Anleihen liegen damit jedoch weiter ein gutes Stück über vergleichbaren Sätzen von Bundesanleihen, die derzeit rund 1,3 Prozent rentieren.

Der stark beachtete Renditeabstand der französischen Staatsanleihen zu Bundesanleihen hat sich inzwischen auch wieder verringert und liegt derzeit bei rund 0,8 Prozentpunkten. Ende April lag er bei zehnjährigen Papieren noch bei 1,55 Prozentpunkten.

Auch dies zeigt, dass die Finanzmärkte die Lage in Frankreich wieder gelassener sehen – auch wenn sich die Fundamentaldaten von Frankreich verschlechtern. Doch das ist relativ: Investoren suchen Rendite und Sicherheit. Beides finden sie eher in Staaten, die von der Euro-Schuldenkrise bisher weitgehend verschont wurden. Neben Deutschland zählt dazu auch Frankreich.

Nach der Präsidentenwahl hatten Hedge-Fonds ihre Wetten gegen Frankreich aufgelöst, wie die französische Schuldenagentur berichtete. Gleichzeitig kauften Profi-Anleger aus Asien und Europa. Der Grund: Der französische Anleihemarkt ist groß und liquide und kann sogar als Alternative für Deutschland dienen.

Wenn also deutsche Staatsanleihen zu teuer werden und die Zinsen zu niedrig, dann weichen Investoren wieder gerne nach Frankreich aus. Schließlich müssen manche Bund-Investoren ihr Geld derzeit zum Nulltarif hergeben. Eine Auktion von Schatzanweisungen mit sechsmonatiger Laufzeit spülte am Montag gut 3,5 Milliarden Euro in die Staatskasse, teilte die für das Schuldenmanagement verantwortliche Deutsche Finanzagentur mit.

Die Investoren verzichteten dabei aber erneut auf Rendite, um an die als ausfallsicher geltenden Wertpapiere zu gelangen. Sie lag mit minus 0,0116 Prozent zum neunten Mal in Folge im negativen Bereich. "Dies unterstreicht das nach wie vor sehr volatile Marktumfeld", sagte ein Sprecher der Finanzagentur. Trotzdem war die Nachfrage robust: Sie übertraf das zugeteilte Volumen um das Doppelte.

Deutschland profitiert in der Schuldenkrise am stärksten von seinem Status als sicherer Hafen. Alle drei großen Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik mit der Bestnote "AAA". Auf der Suche nach einem sicheren Parkplatz für ihr Geld begnügen sich Anleger mit Mini-Zinsen oder zahlen gar eine Prämie, um in den Besitz von Bundeswertpapieren zu kommen.

Nicht alle Profis fliegen jedoch auf Frankreich. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone habe zwar davon profitiert, dass Investoren Mittel aus Nachbarländern wie Spanien und Italien abgezogen hätten, sagt John Gildert, der Chefanlage-Stratege von General Re-New England Asset Management, einem der Rückversicherer, der zum Firmen-Imperium des weltbekannten Investors Warren Buffett gehört.

Gilbert rät bei Frankreich jedoch zu Vorsicht, da die Unternehmen des Landes im vergangenen Jahrzehnt an Konkurrenzfähigkeit verloren hätten. Zudem seien die Personalkosten in Frankreich höher als in Deutschland.

Buffett, der 81-jährige Chef von Mutter-Konzern Berkshire, hat sein Engagement in spanischen, italienischen und französischen Staatsanleihen bereits vor zwei Jahren reduziert, wie er gegenüber CNBC erklärte. Stattdessen konzentrieren sich etwa 80 Prozent der Staatspapiere von Berkshire außerhalb der USA auf Deutschland, Großbritannien, Kanada, Australien und die Niederlande, wie aus einer Pflichtmitteilung hervorgeht.

ilbert ist nicht allein mit seiner Warnung. Immer mehr Investoren gehen davon aus, dass die Zeit des billigen Geldes für die Franzosen bald vorbei sein könnten, wenn die Franzosen ihr Haushaltsdefizit nicht in den Griff bekommen und die Konjunkturaussichten schlecht bleiben.

 

 

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  • Na ja, französiche Aktien sind wohl auch kaum noch gefragt, nachdem Frankreich schon mal die Finanztransaktionssteuer vorweg eingeführt hat. Zum Glück gibt es noch genug andere Länder, die Aktien ohne diese Zusatzsteuer anbieten.

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