Zur Refinanzierung
Firmen aus Euro-Krisenländern zapfen Bondmarkt an

Analysten sehen Firmenanleihen aus den kriselnden europäischen Südländern positiver und empfehlen die Anleihen zum Kauf. Besonders Unternehmen aus Spanien, Italien und Portugal nutzen die bessere Stimmung der Investoren zur Refinanzierung.
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FrankfurtAnalysten sehen Firmenanleihen aus den kriselnden europäischen Südländern positiver und empfehlen die Anleihen zum Kauf. Firmen nutzen die bessere Stimmung bei Analysten und Investoren und preschen mit neuen Anleihen vor. Gestern begab Energias de Portugal (EDP) erstmals seit über zehn Monaten eine neue Anleihe und war damit gleichzeitig das erste portugiesische Unternehmen, das seit vergangenem März den Markt angezapft hat. Am Montag hatten schon die der Telekomkonzern Telefónica und der Versorger Iberdrola aus Spanien neue Anleihen begeben. Zuvor hatte schon Telecom Italia einen Bond platziert. Insgesamt haben die Unternehmen neue Anleihen über 3,7 Milliarden Euro begeben. Dafür müssen sie zwar immer noch hohe Risikoprämien bieten, dafür ist die Nachfrage aber hoch. Alle neuen Bonds waren laut Bankern mehrfach überzeichnet.

Die DZ Bank riet in dieser Woche explizit dazu, Telekom- und Versorgeranleihen südeuropäischer Unternehmen überzugewichten. Die Beruhigung in der Staatenkrise, sei ein gutes Zeichen für die Unternehmen aus den entsprechenden Ländern, meint Monica Fernandez, Leiterin des Researchs für Unternehmensanleihen bei der DZ Bank. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) empfahl alle zuletzt auf den Markt gekommenen Anleihen der Unternehmen aus Portugal, Spanien und Italien zum Kauf, und auch die Analysten des unabhängigen Research-Hauses Creditsights bezeichneten die Bonds als attraktiv.

In den vergangenen Wochen sind die Kurse der Staatsanleihen aus Portugal, Spanien, Italien und auch Griechenland wieder etwas gestiegen und ihre Renditen im Gegenzug gesunken. Als Auslöser dafür gilt zum einen, dass sich Portugal, Spanien und Italien frisches Geld über neue Anleihen besorgen konnten. Auch die Diskussionen unter Europas Staatenlenkern über eine Vergrößerung des Euro-Rettungsschirms haben die Investoren zunächst etwas beruhigt. Das hilft auch den Bonds der Unternehmen aus den entsprechenden Ländern.

Im vergangenen Jahr hatten sich die Anleihen der Firmen aus den Euro-Krisenländern im Einklang mit den jeweiligen Staatsanleihen wesentlich schlechter entwickelt als die aus den solideren Euro-Staaten. Auch die neuen Anleihen boten noch sehr hohe Renditeaufschläge im Vergleich zu anderen Unternehmensanleihen.

Die fünfjährige Anleihe der Telecom Italia rentierte mit 5,2 Prozent, die sechsjährige von Telefónica mit 4,75 Prozent. Bei den Versorgern bot Iberdrola für eine Anleihe mit drei Jahren Laufzeit eine Rendite von 3,99 Prozent und EDP für Jahre 6,2 Prozent. Zum Vergleich: Fünfjährige Anleihen der Deutschen Telekom werfen nur 3,5 Prozent Rendite ab, dreijährige des deutschen Versorgers Eon 2,55 Prozent. Die neuen Anleihen der südeuropäischen Unternehmen waren aber auch im Handel gefragt. Deshalb sind die Renditen schon etwas gesunken.

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