Zweistelliger Zinskupon
Teuerste Anleihe seit zehn Jahren

Noch vor sechs Jahren bezeichnete die Regierung von Ecuadors Präsident Rafael Correa die zehn Prozent Zinsen, die das Land auf seine Staatsanleihen zahlen musste, als „Wucher“. Mittlerweile muss er noch mehr zahlen.
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New York/DüsseldorfZehn Prozent Zinsen musste Ecuador vor sechs Jahren für seine Staatsanleihen zahlen. Doch das war noch nicht das Ende der Fahnenstange. Vor wenigen Tagen hat das Land neue Anleihen mit einem Zins platziert, wie er so in der Welt seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr zu sehen war. Ecuador teilte fünfjährige Papiere mit einer Rendite von 10,5 Prozent zu. Es ist der höchste Wert bei vergleichbaren Dollar-Anleihen seit Jahren. Zuletzt hatte die Türkei im Jahr 2002 ähnlich hohe Zinsen zahlen müssen. Das geht aus einer Analyse des Börseninformationsdienstes Bloomberg hervor.

Die Bereitschaft Correas, derart hohe Zinsen zu zahlen, sorgte am Markt für Besorgnis, dass dem Opec-Land wegen des jüngsten Ölpreiseinbruchs womöglich das Bargeld ausgehen könnte. Vor dem Verkauf der Anleihen am 19. März hatte Ecuador potenziellen Käufern gegenüber noch erklärt, weniger als acht Prozent zahlen zu wollen, um sich mindestens eine Milliarde Dollar für einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren zu leihen. Das erfuhr Bloomberg von Personen, die mit den Vorgängen vertraut sind.

Doch der Plan ging nicht auf: Das Land in den Anden bekam lediglich 750 Millionen Dollar für fünf Jahre und musste mehr als zwei Prozent mehr zahlen als geplant. Der Verkauf “legt den Schluss nahe, dass sie vor Problemen stehen”, sagte Sarah Glendon, Volkswirtin bei Gramercy Funds Management, in einem Interview.
Der Ölpreis von Ecuador ist seit dem Hoch im Juni des vergangenen Jahres um mehr als 50 Prozent eingebrochen. Das veranlasste Investoren bei der Emission offenbar dazu, höhere Zinsen für die Finanzierung des sich weiter vergrößernden Haushaltsdefizits des Landes zu verlangen. Vor weniger als einem Jahr hatte sich Ecuador zwei Milliarden Dollar mit zehnjährigen Anleihen zu geringeren Zinsen beschafft.

Das Land erzielt rund ein Viertel seiner Einnahmen aus dem Verkauf von Öl. Selbst nach einer Runde an Haushaltskürzungen hat Ecuador in diesem Jahr einen Finanzierungsbedarf von 10,5 Milliarden Dollar - so viel wie nie zuvor.

Finanzminister Fausto Herrera erklärte nach der jüngsten Anleihe-Emission, das Land habe nicht die “besten Konditionen” bekommen. Er verwies darauf, dass während der Road-Show für die Papiere Anfang März die Energiepreise gefallen seien - das habe Ecuador letztlich dazu gezwungen, schlechtere Bedingungen als gewollt zu akzeptieren.

Correa versuchte unterdessen, die Märkte zu beruhigen. Am vergangenen Wochenende erklärte er, dass die Wirtschaft des Landes stark und die Regierung vorbereitet sei, falls die Ölpreise weiter fallen. “Wir sind vorbereitet auf extreme Fälle. Selbst wenn die Ölpreise auf 20 Dollar je Barrel zurückgehen”, sagte Correa am Samstag. “Wir wissen, wie wir mit diesen schwierigen Zeiten umzugehen haben.”

Bevor Ecuador in den Jahren 2008 und 2009 Fremdwährungsanleihen im Volumen von 3,2 Milliarden Dollar nicht mehr bedienen konnte, war eine von Correa gebildete Kommission zu dem Schluss gekommen, dass ein Großteil jener Verbindlichkeiten, welche die vorangegangenen Regierungen aufgenommen hatten, illegal gewesen sei. Als einer der Gründe wurden dabei die recht hohen Zinsen der Papiere genannt.

Die Tatsache, dass Ecuador nun bereit war, Anleihen mit einem so hohen Zinssatz zu emittieren, ist “sehr ungewöhnlich”, sagt auch Siobhan Morden, Zinsstrategie-Chefin für Lateinamerika bei der Jefferies Group. “Der Deal lässt Ecuador verzweifelt aussehen.”


Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
Jessica Schwarzer
Jessica Schwarzer
Handelsblatt / Chefkorrespondentin Börse

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