3. Fall diese Woche
Technische Probleme legen Londoner Börse lahm

Schon wieder gibt es Probleme mit einem Handelssystem. Nach Mailand und Paris ist heute die LSE betroffen. Der Handel an der Londoner Börse konnte erst mit 4 Stunden Verspätung starten. Händler reagierten erbost.
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London/FrankfurtDie Londoner Börse LSE kämpft erneut mit technischen Problemen. Wie der Börsenbetreiber mitteilte, sei es bei dem erst in der vergangenen Woche neu eingeführten Handelssystem Millenium IT am Freitag morgen zu Problemen gekommen, die eine Aufrechterhaltung des Handels unmöglich machten. Erst um 12.15 Uhr (Ortszeit) lief der Handel wie reibungslos. Händler reagierten erbost, weil sie nicht auf wichtige Daten wie das Jahresergebnis der Großbank Lloyds oder die neuen Zahlen zum britischen Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2010 reagieren konnten.

Mit ihrem neuen Handelssystemen scheint die Londoner Börse LSE wenig Glück zu haben. Die Einführung von Millenium IT musste Vorstandschef Xavier Rolet gleich drei Mal verschieben. Besonders pikant war die letzte Verzögerung im vergangenen November als Rolet andeutete, dass hinter den Problemen keine technische Panne sondern gezielte Sabotage stecke. In einer Mitteilung nannte die LSE als Grund für den Crash „menschliche Fehler“, die unter „verdächtigen Umständen" aufgetreten seien. Wenige Wochen später musste Rolet den Verdacht kleinlaut zurückziehen.

Auch der endgültige Start des neuen Systems am 14.Februar verlief nicht pannenfrei. Bereits am zweiten Tag kam es zu einer Störung bei der fünfminütigen Schlussauktion, bei der die endgültigen Kurse am Ende eines Handelstages festgelegt werden. Die Auktion verzögerte sich um 42 Sekunden, was dazu  führte, dass computergesteuerte Handelssysteme Orders auf Basis falscher Kurse generierten.

Die LSE steht seit Monaten unter Druck, weil sie im Geschäft mit britischen Aktien immer mehr Marktanteile verliert. Mehr als ein Drittel des Geschäfts mit Papieren des Londoner Leitindizes FTSE-100 läuft mittlerweile über  alternative Handelsplattformen wie die beiden vor der Fusion stehenden Systeme Bats und Chi-X läuft Mitte Februar wagte Rolet mit der geplanten Übernahme des kanadischen Börsenbetreibers TMX den Befreiungsschlag. Allerdings wurden seine Anstrengungen noch am selben Tag durch die geplante Fusion zwischen der Frankfurter Börse und der New Yorker NYSE in den Schatten gestellt.

Probleme auch in Mailand und Paris

Auch bei der italienischen Borsa Italia, einer Tochter der LSE, kam es in dieser Woche zu einem Systemausfall. Für sechs Stunden stand am Dienstag der Handel in Mailand still. Die Börse eröffnete erst um 15.30 Uhr. Der Grund für den Ausfall ist noch nicht bekannt. Italiens Finanzmarktaufsicht Consob hat Borsa Italiana und LSE schriftlich um eine Stellungnahme zu den Problemen gebeten und forderte die Börsen auf, ihr Management und ihre technische Infrastruktur zu stärken, damit eine Unterbrechung des Handels nicht wieder vorkommt.

Gestern hatte auch die Euronext in Paris mit technischen Problemen zu kämpfen. In der ersten Handelsstunde wurden die Aktienindizes für Frankreich, Belgien, Portugal und Niederlande nicht korrekt dargestellt. Der Handel von Aktien und Futures hätte aber normal funktioniert, hieß es von Seiten der Börse.

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