Anlagestrategie
„Die mit Nervenflattern werden verlieren“

Wer erfolgreich sein will, braucht die richtige Einstellung und einen Plan – das gilt für die Karriere und erst recht an der Börse. Warum Anlageerfolg im Kopf beginnt und Emotionen an den Märkten nichts zu suchen haben.
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Düsseldorf„Mit der richtigen Einstellung und dem richtigen Plan zu mehr Gewinn“ – wenn das nur so einfach wäre. Thomas Vittner und Andreas Frisch sind überzeugt, dass das gar nicht so schwierig ist, wenn Anleger das „wirkungsvollste und bei weitem günstigste Werkzeug einsetzen, das sie haben: ihre mentale Stärke“. Wie das geht, erklären der professionelle Trader Vittner und der Coach Fritsch in ihrem neuesten Werk „Börsenerfolg beginnt im Kopf“.

Wer ein klassisches Börsenbuch mit Anlagestrategien erwartet, wird überrascht, vielleicht sogar enttäuscht sein. Es ist, wie der Titel bereits erahnen lässt, viele Psychologie drin im Buch. Was treibt uns an? Welche Werte haben wir? Und dann immer wieder: Was bedeutet das für unser Verhalten an der Börse, als Privatanleger ebenso wie als hauptberuflicher Trader?

Das Duo liefert Tipps eines Profi-Traders – aber eben keine Anlagestrategien –  gepaart mit den Techniken eines Coaches und Mentaltrainers. Ein ungewöhnliches Börsenbuch, das sich über weite Strecken eher wie ein Karriere-Ratgeber liest. Daran können auch die Erfahrungen aus der Praxis, also dem Börsenhandel von Vittner nichts ändern. Doch wenn der Leser sich darauf einlässt, lernt er viel über das eigene Handeln – und zwar im „normalen“ Leben ebenso wie an der Börse. Abgerundet wird das Ganze mit einem 21-Tage-Mentalprogramm für Börsianer.

„Wir leben in einer aufregenden Welt“, schreiben Thomas Vittner und Andreas Fritsch im Vorwort. „Nie zuvor gab es für Menschen, die sich privat oder beruflich mit der Thema Geldanlage befassen, so viele Chancen, so viele Risiken, Unwägbarkeiten und so viel zu tun!“ Viele technisch und fachlich hochversierte Trader, Investoren und private Anleger wandern immer wieder durch tiefe Tränentäler und wissen nicht warum. „All diesen Anlegern wollen wir uns annehmen, indem wir mit unserem Buch dort beginnen, wo viele andere Publikationen über die Arbeit mit den Finanzmärkten enden: bei unserem Denken!“, so Autoren.

Mit ihrem Buch richten sie sich nicht nur an Trader, die an den Märkten sehr aktiv sind und vom Börsenhandel leben, sondern auch an langfristig anlegende Investoren und Verwalter kleinerer und großer Vermögen. Denn sie alle machen dieselben Fehler, sie handeln – ob bewusst oder unbewusst – hochemotional. „Unsere Entscheidungen an den Märkten sollten einem bestimmten Regelwerk unterliegen und nicht gefühlsbedingt variieren“, schreibt Vittner. „Weder ein erfolgreicher Trader noch ein erfolgreicher Investor lassen sich von jüngsten Erfolgen oder Misserfolgen verwirren, sondern handeln weiter nach Plan.“ Der Börsenerfolg beruhe auf einer sauberen Ausführung bestimmter Regeln und auf Statistik – „mehr steckt einfach nicht dahinter“.

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  • Tradingliteraur - Teil 2
    rotzdem kommt diese eher junge Literaturgattung nicht über das zweifelhafte Niveau der allgemeinen Ratgeberlyrik hinaus. Das liegt einmal daran, daß es nicht möglich ist zu einem Zeitpunkt festzustellen ob ein erfolgreiches Verfahren vorliegt. Die Details der Rezepturen lassen eher vermuten, das es sich um eine Kunst handelt, die ihre Form findet in einer unschlüssigen Oszillation zwischen Verfahren und Markterfolg. Es bleibt dann immer der "Psyche des Traders" überlassen, nach einem willkürlichen Zeitraum die Oszillation scharf zu stellen und einen Unterschied zu machen: Revision oder Fortführung des Verfahrens. Die Unberechenbarkeit der Märkte führt notwendigerweise zum Versuch der Berechenbarkeit der Psyche: dem Dartpfeile werfenden Affen mit dem phänomenalen Anlageerfolg will schliesslich keiner das Feld überlassen. Die deprimierenden Erlebnisse des hoch disziplinierten Traders sind jenen Nullsummenergebnissen geschuldet wie sie die klassische Theorie der effizienten Märkte vorhersagt. Dabei spielt es keine Rolle, dass in beliebigen Zeitfenstern die Märkte keineswegs effizient sind. Die gewitzten Autoren behaupten auch nicht, daß sie diese Ineffizienzen vorhersagen könnten: sie argumentieren mit Plausibilitäten und Erfahrungen und vor allem mit der Kunst der Verlustbegrenzung bei jedem Einsatz - dann würde die Statistik auch klappen. Aber dann kommt man nicht darum herum, daß das erfolgreiche Moneymanagement zwar das Kapital schützt aber keine Gewinne garantiert. Die prognostische Relevanz des gesamten Methodenarsenals der Tradingpraxis ist gleich Null! Zittriger Hände bedarf es dazu nicht. Allerdings ist dieser Befund keine Schande: die Wirtschaftsforschungsinstitute mit ihren hochgezüchteten mathematischen Modellen der Prognostik bekommen das meist auch nicht besser hin.

  • Tradingliteratur Teil 1)
    Die Logik dieser Ertüchtigungsprosa folgt immer dem gleichen Muster: 1) es gibt Verfahren, deren dauerhafte Anwendung zum Erfolg führen, weil sie einen statistischen Vorteil erzeugen. Als Beispiel wird gern das Roulettespiel angeführt mit dem ca. 5% Vorteil für die Bank. 2) ist der Trader das grösste Risiko, weil er die Verfahren nicht oft und sauber genug ausführt - also ist das kognitive, mentale System die zu bearbeitende Baustelle. Von dort kann man bequem auf den Traditionsbestand der Psychologie bis hin zur Esoterik zugreifen. Da nun auch die mehr oder weniger erfolgreichen Trader nicht wirklich genau wissen warum sie es sind, ergibt sich daraus ein starkes Kommunikatikationsmotiv. Thematisiert wird dann vorrangig, warum sich Verfahren zum Börsenerfolg nicht auf Dauer stellen lassen. Das muss unbedingt behandelt werden, weil ja ständig das Wissen präsent ist, dass es solch ein Verfahren nicht geben darf, damit die Börse überhaupt funktioniert. Den geistreicheren Auroren des Genres gelingen hin und wieder interessante Einsichten im Prozess dieser Paradoxiebehandlung.

  • Die Boerse braucht Schlachtvieh - den dummen Kleinanleger. Der spielt an der Boerse oft mit der gleichen Einstellung wie beim Lotto.

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