Ausblick
Wall Street vor starkem Abschluss des Börsenjahres

Hoffnungen auf eine anziehende Erholung der US-Konjunktur dürften nach Einschätzung von Börsianern der Wall Street in der verkürzten letzten Handelswoche 2009 weitere Kursgewinne bringen. Das ablaufende Jahr wird für die US-Börse damit eines der besten des neuen Jahrtausends.
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HB NEW YORK. Fallen die Gewinne in den kommenden Handelstagen hoch genug aus, könnte der S&P-500-Index, der den breiten Markt abbildet, sogar den stärksten Jahreszuwachs seit 1998 erreichen. Bislang verzeichnete er den höchsten seit 2003, er liegt 24,7 Prozent über dem Schlussstand des vergangenen Jahres, nachdem er 2008 wegen der Finanzkrise ganze 38,5 Prozent eingebüßt hatte.

Der Markt hat vor allem seit dem Tiefpunkt im März mächtig aufgeholt. Der Standardwerteindex Dow Jones notiert im bisherigen Jahresverlauf 19,9 Prozent im Plus, der technologielastige Nasdaq sogar 45 Prozent.

Die US-Börsen hatten bereits an Heiligabend nach einem verkürzten Handel auf Jahreshöchstständen geschlossen: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg um 0,5 Prozent auf 10 520 Punkte, der breiter gefasste S&P-500-Index kletterte um 0,5 Prozent auf 1126 Zähler und der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,7 Prozent auf 2285 Punkte hinzu.

"Es gibt einen Aufwärtstrend", sagte Alan Lancz von der Anlageberatungsfirma Alan B. Lancz & Associates. "Es ist eine ideale Situation für Aktien, weil es nicht viele andere Alternativen gibt." Hinzu kommt die Zuversicht der Anleger hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung. "Der Markt sagt uns, dass die Wirtschaft viel stärker ist als vermutet", bringt Marktanalyst Cleveland Rueckert von Birinyi Associates die Stimmung auf den Punkt.

Frische Daten sollen dies in der neuen Woche belegen. Im Blick stehen Zahlen zum Verbrauchervertrauen (Dienstag), der Einkaufsmanagerindex aus Chicago (Mittwoch) sowie die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten (Donnerstag). Außerdem schaut der Markt darauf, wie groß die Nachfrage ist bei der Auktion von US-Staatsanleihen im Volumen von insgesamt 118 Mrd. Dollar.

Die letzte Handelswoche dürften institutionelle Anleger noch einmal dazu nutzen, ihre Jahresbilanz aufzuhübschen. Beim sogenannten Window Dressing kaufen sie bevorzugt Aktien, die gut gelaufen sind, und trennen sich von solchen, die schlecht abgeschnitten haben. Börsianer rechnen mit einem stärker schwankenden Handel bei relativ schwachen Umsätzen. Denn viele Marktteilnehmer sind im Urlaub, und die letzte Schlussglocke für dieses Jahr läutet bereits am Donnerstag. Am Neujahrstag am Freitag bleiben die US-Märkte geschlossen.

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  • Das ungestüme Emporstreben der Aktienbörse seit dem Frühjahr 2009 ist meiner Ansicht nach eine Unheil ankündigende botschaft des gegenwärtigen Kapitalismus. ihm ist in den Jahren zunehmend „reales“ Wirtschaften als die entscheidende Grundlage der Gewinnerzielung und damit der Reichtumsbildung in der Welt abhanden gekommen. Die in diesem Gefolge im Herbst 2008 akut gewordene Finanzmarktkrise zersäbelte mit den billionen schweren staatlichen Konjunkturpaketen wichtige Grundlagen für einen sich selbst tragenden konjunkturellen Aufschwung. Mit „realem“ Wirtschaften wird zunehmend weniger Geld verdient, und so haben sich die „Globalplayer“ erneut an die Roulettetische New Yorks, Frankfurts und anderswo gesetzt. Das derzeitige Risiko, den Einsatz zu verlieren, ist gering, da die Zinsen für zu beschaffendes Geld historisch niedrig liegen. Diese Situation hatten wir schon einmal, - nach dem Crash 2000. Nur damals funktionierte die reale Wirtschaft im Wesentlichen und staatliche Konjunkturprogramme in diesen Dimensionen gab es nicht. Heute befindet sich dieses Spielkasino im Vergleich dazu auf einem ökonomischen Vulkan. Ein nächster Ausbruch könnte in einem gesellschaftlichen inferno enden, weil sowohl die staatlichen als auch die privaten Mittel zur beherrschung seiner Folgen nicht mehr effizient sein werden.

  • Letztlich läuft es auf die Frage hinaus, ob USA und EU es schaffen, einen selbsttragenden Wirtschaftsaufschwung zu implantieren. Die zur Überbrückung und Anstoß für geeignet gehaltenen staatlichen Programme für infrastruktur, Sondergruppen(Hypothekenprekariat in US etwa)und Spezialprogramme (cash for clunckers/Verschrottungsprämien) und ähnlichen blödsinn aus dem alten Werkzeugkasten von Keynes selig sollen glauben machen, die somit ausgelösten Anreize schaffen einen gleitenden Übergang zu investitionen, die all diese Ökonomien anspringen lassen zur Schaffung von Wachstum und Wohlstand. Erstens ist historisch belegt, daß dies nicht klappt. Zweitens profitieren preiswertere Ökonomien (China, indien, etc.) bereits von den Staatsprogramme in US/EU. Nur bei drastischem Protektionismus lassen sich westliche Geldströme im eigenen Lande halten, sonst landet das meiste davon dort, wo alles billiger ist. Wo soll denn da ein selbsttragender Wirtschaftsaufschwung in den ach so teuren industrieländern herkommen - selbst, wenn also das Keynes-Prinzip tatsächlich einmal funktionieren sollte?

  • Guten Tag,.....Wenn mann bedenkt wo wir herkommen, dann ist noch bedeutend Spielraum bis zum nachesten Crash. Denn der kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. besten Dank

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