Ausländische Aktien
Misstrauen lähmt Investitionen

Mangelndes Vertrauen in Geschäftspartner aus anderen Ländern behindert die Integration der Finanzmärkte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung, die Luigi Guiso von der Universität Rom bei einer Konferenz der Stiftung Geld und Währung vorgestellt hat.

FRANKFURT. Wenn Ausländern das gleiche Vertrauen entgegengebracht würde wie den eigenen Landsleuten, könnte nach der Untersuchung der Universität Rom in der EU der Anteil ausländischer Aktien in den Portfolios der Anleger um neun Prozentpunkte angehoben werden. Das Volumen ausländischer Direktinvestitionen würde sich dann sogar um 56 Prozent erhöhen.

„Dieser Effekt ist zu groß, um ihn zu vernachlässigen“, sagte Guiso. Er hat in einer repräsentativen Umfrage nicht nur das Vertrauen von Europäern in andere Nationen erhoben, sondern auch Nicht-EU-Länder wie China, Japan, die USA, die Schweiz und die Türkei einbezogen.

Auffallend ist, dass die Nationalitäten, die anderen viel Vertrauen entgegenbringen, gleichzeitig das größte Vertrauen genießen. Das gilt in starkem Maß für Schweden. Es zeigen sich aber große Unterschiede im Niveau des Vertrauens, das die Teilnehmer an den Finanzmärkten überhaupt zu schenken bereit sind. Dabei werden die eigenen Landsleute durchgängig am besten bedacht, wenn auch hier oft große Skepsis herrscht. Beispiel: Nur 19 Prozent der Italiener haben viel Vertrauen in ihre Landsleute, gegenüber den Portugiesen sind es nur fünf Prozent. Dagegen haben 72 Prozent der Finnen und 64 Prozent der Schweden großes Vertrauen in ihre Landsleute. Nur zehn Prozent der Finnen halten aber die Italiener für besonders vertrauenswürdig.

Die Deutschen liegen in Sachen Offenheit im Mittelfeld: 57 Prozent halten andere Deutsche für sehr vertrauenswürdig, nur acht Prozent die Italiener, jeweils elf Prozent die Griechen und die Portugiesen. Schlecht schneiden bei den Deutschen auch die neuen EU-Staaten ab mit Werten von deutlich unter zehn Prozent.

Guiso führt die Ergebnisse im Wesentlichen auf kulturelle Unterschiede zurück, die durch wirtschaftspolitische Maßnahmen schwer zu beseitigen seien. Unter anderem spielten die religiösen Überzeugungen und die Anzahl der Kriege zwischen zwei Nationen während der vergangenen tausend Jahre eine Rolle.

Dass die weitere Integration der Finanzmärkte gleichwohl für das Wachstum der europäischen Staaten unerlässlich sei, betonte Gertrude Tumpel-Gugerell. Die im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) für Zahlungsverkehrssysteme und Marktinfrastrukturen zuständige Österreicherin präsentierte neuere Forschungsergebnisse, die nahe legen, dass in Ländern, die sich gezielt um die Integration in das globale Finanzsystem bemühen, das Wachstum um rund 0,8 Prozentpunkte steige.

Für die EU am wichtigsten sei aber die Integration des Bankenwesens, wie Untersuchungen aus den USA zeigten. In der Gemeinschaft sei das Bankgeschäft mit Massenkunden das bisher am schwächsten integrierte Segment, sagte Tumpel-Gugerell. Nach der Deregulierung, die in den USA zwischen 1970 und 1995 stattgefunden habe, sei die Wirtschaftsleistung in den einzelnen US-Staaten um rund einen Prozentpunkt gestiegen. Die Ursache dafür seien eher Produktivitätsfortschritte als höhere Investitionen gewesen, erklärte Tumpel-Gugerell: „Das sollte uns ermutigen, auf dem Weg zur Integration des Bankensektors voranzuschreiten.“

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