Ausweitung der Produktpalette
Eurex kämpft um führende Marktposition

Man sagt, Spitzenreiter zu werden, sei wesentlich einfacher als eine solche Position erfolgreich zu behaupten. Diese Erfahrung macht derzeit auch die deutsch-schweizerische Terminbörse Eurex. Seit fünf Jahren ist sie die bislang unumstrittene Nummer eins unter den Terminbörsen in der Welt.

BOCA RATON. Doch die Konkurrenten versuchen, der Eurex diese Führungsposition streitig zu machen. Vor allem die Chicago Mercantile Exchange (CME) gilt seit ihrer Umwandlung von einer Mitgliederbörse zu einer Aktiengesellschaft als härtester Wettbewerber. Grund: Durch den Gang an die New York Stock Exchange hat sich die CME eine ausgesprochen gute Finanzlage verschaffen.

Doch die Eurex scheut den Kampf um den globalen Spitzenrang nicht. „Wir wollen unsere Position nicht nur behaupten, sondern sogar ausbauen“, sagt Peter Reitz, der im vierköpfigen Vorstand der Eurex unterem anderen für strategische Fragen zuständig ist. Im Gespräch mit dem Handelsblatt weist Reitz darauf hin, dass die Eurex in den ersten Monaten dieses Jahres weiter Rekordumsätze erzielt hat. „Anfang März haben wir zum ersten Mal überhaupt 10,4 Millionen Derivate an einem Tag gehandelt“, sagte Reitz am Rande der Jahrestagung der FIA, der Standesorganisation der US-Derivatebranche. Man habe durch einige Produktinitiativen sowie durch verschiedene strukturelle Veränderungen die Voraussetzung für weiteres Wachstum geschaffen.

In diesem Kontext erinnerte Reitz an die Ausweitung der Handelszeiten, an die Erweiterung der Produktpalette bei europäischen Aktienoptionen und an die Schaffung eines Bindeglieds zum OTC-Markt (Freiverkehr) bei Aktienindex-Derivaten. Darüber hinaus habe man dem Markt im zweiten Halbjahr 2005 drei neue Produkte zur Verfügung gestellt, die insgesamt eine gute Aufnahme fänden. Dies sind der Buxl-Future (Derivat auf eine synthetische 30-jährige Bundesanleihe), Single-Stock-Futures (standardisierte Terminkontrakte auf einzelne Aktien) und Volatilitäts-Derivate.

„Als erste Terminbörse in der Welt werden wir noch in diesem Jahr börsengehandelte Kreditderivate anbieten“, sagte Reitz. Bisher werden Kreditderivate vor allem an den OTC-Märkten als bilaterale Kontrakte zwischen den Banken gehandelt. Der neue Eurex-Kontrakt wird sich auf den populärsten Index für Kreditderivate – namens iTraxx – beziehen. „Ich bin sicher, dass börsengehandelte Kreditderivate eine hohe Akzeptanz finden werden“, sagte Reitz. Er verwies in diesem Kontext auf die jüngsten Probleme bei der Abwicklung und Abrechnung von bilateralen Kreditderivaten am OTC-Markt. Diese Schwierigkeiten waren von den internationalen Aufsichtsbehörden aufmerksam verfolgt worden.

Es sei durchaus einzugestehen, dass eine Schwäche des deutschen Börsenwesens in der geringen Abdeckung von Rohstoff-Derivaten bestehe, sagte Reitz. Die Eurex sei mit verschiedenen Börsen im Gespräch, um noch nicht existierende Rohstoff-Derivate zu entwickeln und einzuführen. Es mache wenig Sinn, an der Eurex bereits bestehende Kontrakte einzuführen. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass es sehr schwer sei, die Liquidität bestehender Kontrakte von einer etablierten Börse abzuziehen.

Es sei im Übrigen nicht richtig von einem Misserfolg der Eurex in den USA zu sprechen, sagte Reitz. Bei einigen der erfolgreichen Eurex-Kontrakte werde bis zu 30 Prozent des Umsatzes von US-Marktteilnehmern generiert. Es sei auch nicht so, dass es kein Interesse von US-Terminbörsen an einer Kooperation mit Eurex US gebe. „Ganz im Gegenteil“, so Reitz. Es gehe bei der anstehenden Entscheidung darum, was eine US-Partnerbörse mitbringen könne, das die Eurex nicht bereits zu bieten habe. „Das könnte zum Beispiel auch Erfahrung mit Rohstoff-Derivaten sein“, sagte Reitz. Er lehnte im übrigen Spekulationen über die künftige Führungsstruktur der Eurex ab. Man müsse abwarten, welche Entscheidung Deutsche-Börse-Vorstandschef Reto Francioni in dieser Frage treffe.

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