Banken
Banken auf Gebührenjagd

Zunächst klingt die Nachricht für Kontoinhaber gut: Mehr als 40 Banken bieten ihren Kunden kostenfreie Girokonten an. Die restlichen Institute haben die Gebühren für ihre Konten in der Regel nicht erhöht. Das Problem: Bei den versteckten Gebühren schlagen viele Institute zu.

HB DÜSSELDORF. Girokonten werden immer günstiger. Mehr als 40 Banken verzichten bei mindestens einem ihrer Konten auf die noch vor einigen Jahren obligatorische Kontoführungsgebühr. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Frankfurter Finanzberatung FMH für das Handelsblatt.

Vor einigen Jahren haben fast ausschließlich Direktbanken Gratis-Konten angeboten. Heute locken auch klassische Filialbanken wie Commerzbank, Dresdner Bank, Postbank, Hypovereinsbank oder SEB Kunden mit den Billigofferten. Das Gleiche gilt für immer mehr Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Nicht nur Top-Kunden profitieren von dem allgemeinen Gebührenverzicht. Nur zehn Institute verlangen mittlerweile noch einen regelmäßigen Geldeingang von mindestens 1 000 bis 1 500 Euro pro Monat. Bei 30 Instituten spielt das Einkommen keine Rolle mehr. 17 Institute zahlen für das Guthaben auf Gratiskonten sogar noch Zinsen.

Für Bankkunden können vermeintliche Gratiskonten trotzdem teuer werden. Etwa dann, wenn sie ihr Konto überziehen. Die Dresdner Bank verlangt für den Dispokredit 13,75 Prozent. Überzieht der Kunde das Limit, steigt der Satz auf beachtliche 18,75 Prozent. Im Marktvergleich teuer sind für spontane Schuldner auch die Commerzbank mit 13,24 Prozent und die Postbank mit 13,5 Prozent. Zum Vergleich: Die günstigste Direktbank nimmt weniger als sieben Prozent.

Mindestens ebenso ärgerlich wie hohe Dispozinsen sind Gebühren, die Kunden oft erst nach Abschluss des Kontos entdecken. Für traditionelle Überweisung per Papierformular nehmen beispielsweise 14 Gratis-Anbieter Gebühren. Pro Vorgang werden bis zu drei Euro fällig. Wer am fremden Automaten sein Geld zieht, zahlt sogar bis zu 7,50 Euro an seine Hausbank. In den letzten drei Jahren verteuerte sich die Gebühr im Schnitt um 17 Prozent. Das Bundeskartellamt ist alarmiert. Man schaue sich "im Gesamtzusammenhang die Geldautomatengebühren und die Bankenverbünde an", sagt eine Sprecherin auf Anfrage des Handelsblatts.

Auch wenn es bei den Gebühren jeweils nur um ein paar Euro geht, ärgern sich viele Kunden darüber. Besonders wenn die Entgelte juristisch zweifelhaft sind. Rund zwanzig teils höchstrichterliche Urteile erstritten Verbraucherschützer und betroffene Privatleute im Laufe der vergangenen Jahre. Die Richter legten unter anderem fest, dass Kunden am Bankschalter mindestens fünfmal pro Monat gratis Geld einzahlen oder abheben dürfen. Und beim Wechsel des Depots zu einer anderen Bank dürfen keine Strafgebühren mehr anfallen.

Seite 1:

Banken auf Gebührenjagd

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%