Billiges Geld
Anleger fürchten den Entzug

Die Börsen haben eine lange Party gefeiert. Die Droge dazu war: billiges Geld. Doch nun droht der Entzug. Goldman Sachs und Deutsche Bank rechnen damit, dass die Notenbanken bald keinen Stoff mehr liefern.
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DüsseldorfDas Ende ist nahe. Jedenfalls tun die Börsianer gerade so, als stünde der Weltuntergang bevor. Vermutlich fühlt es sich für sie sogar so an. Sie fürchten, dass man ihre schöne Börsenwelt auf einen Schlag zerstören könnte.

Der Grund: Die US-Notenbank könnte aufhören, Geld zu drucken, und zwar früher als gedacht. Seitdem Notenbank-Chef Ben Bernanke erstmals angedeutet hat, dass dies schon „auf einer der nächsten Sitzungen“ der Federal Reserve (Fed) beschlossen werden könnte, kochen die Spekulationen hoch. Die Fed werde ihre monatlichen Anleihekäufe „schon im September“ reduzieren, meint Joseph LaVorgna, Chefvolkswirt der Deutschen Bank in den USA. Auch Jan Hatzius, Chefvolkswirt von Goldman Sachs, sagt:  „Ein Auslaufen im September ist sicherlich möglich.“ Und wenn nicht dann, dann wahrscheinlich im Dezember.

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise haben die Notenbanken, allen voran die Fed in den USA, das Geld so billig wie möglich gemacht. Sie haben die Leitzinsen praktisch abgeschafft, damit Banken und Staaten leichter an Geld kommen. Die Banken sollen das Geld verleihen, an Unternehmen und Privatleute. Diese sollen es ausgeben, was wiederum die Konjunktur ankurbeln soll. So ist jedenfalls der Plan. Zusätzlich kauft die Fed monatlich Anleihen und Hypothekenpapiere für rund 85 Milliarden Dollar auf. Insgesamt hat sie dafür bereits 2,5 Billionen Dollar ausgegeben.

Die US-Wirtschaft erholt sich nur zaghaft. Vor allem aber geht es an den Finanzmärkten aufwärts. Die Aktienmärkte haben in den vergangenen Jahren fast ununterbrochen zugelegt. In New York erreichte der Dow Jones im Mai den höchsten Stand aller Zeiten. In Frankfurt stellte der Dax neue Rekorde auf. Selbst der Nikkei in Tokio erwachte aus seiner Lethargie. Nicht weil sich die Wirtschaft so gut erholt hat, sondern weil ein großer Teil des billigen Geldes an den Finanzmärkten versickert ist.

Doch selbst unter Investoren ist die Geldpolitik inzwischen umstritten. Ihnen wird klar, dass es so nicht ewig weitergehen kann. „Die Notenbank ist das Problem, nicht die Lösung“, schreibt Bill Gross in seinem monatlichen Anlageausblick. Die Fed versuche mit ihrer Politik „verzweifelt  eine Wirtschaft zu kurieren, die eher Strukturreformen als geldpolitische Lösungen benötigt“. Gross ist der bekannteste, vielleicht auch der einflussreichste Anleiheinvestor der Welt. Er ist Gründer und Co-Chef von Pacific Investment Management, kurz Pimco. Die Gesellschaft verwaltet ein Vermögen von 1,5 Billionen Dollar.

Kommentare zu " Billiges Geld: Anleger fürchten den Entzug"

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  • "pool" - dumm gelaufen, hm?

  • Die Dreibuchstabenfirmen waren doch jene, die sich vom Neuen Markt hochziehen lassen: WOLLTEN. Aber zu schwerfällig waren..

  • Die Zinswende kommt erst in ferner, ferner Zukunft. Bernanke ist vor allem eins: Historiker und eine Kapazität in der Geschichte der "Great Depression". Ihm wird immer das Jahr 1937 vor seinem geistigen Auge umhertanzen. Auch damals wagte die Roosevelt-Administration eine "Zinswende". Als Resultat versank die US-Wirtschaft wieder in den Tiefen der Depression nachdem sich vorher, aufgrund billigen Geldes, erste schwache Erholungszeichen gezeigt hatten. Erst danach wurde die Depression wirklich Great. Zweifelhaft ob man dieses Szenario in den USA noch einmal testen möchte. Erst wenn die Schuldenlast real wieder gesunken ist, erst dann wird man über hohe Zinsen nachdenken können. Für den Rest dieses Jahrzehntes ist erst einmal deleveraging angesagt, wahrscheinlich auch noch für das nächste Jahrzehnt.

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