Börse setzt auf Unternehmen
Dax-Ausblick: Im Banne der Zinsen

Die magische Zahl heißt 8 136. Übersteigt der Dax diese Marke, dann klettert er in Höhen, die er zuvor noch nie erreicht hatte. Schon mehrmals setzte der deutsche Leitindex in der zurückliegenden Zeit zum Sprung an, scheiterte dann aber kurz davor. Wann heißt es nun auf allen Kanälen: "Höchstmarke übersprungen"?

HB FRANKFURT. Eine Vorhersage fällt angesichts der jüngsten Volatilität schwer, aber Beobachter gehen zumindest davon aus, dass sich auch in der kommenden Woche die Schwankungsanfälligkeit und das zähe Ringen fortsetzen werden. Die Zinsen sind's, die den Aktienstrategen Sorgen bereiten. Hingegen wird der wieder steigende Ölpreis nach Einschätzung von Analysten keinen gravierenden Einfluss auf die Aktienmärkte haben. „Für die Unternehmen scheint der hohe Ölpreis handhabbar zu sein“, sagte Marktstratege Carsten Klude von MM Warburg. Der Preis für ein Fass Rohöl ist zum Wochenschluss auf ein Elf-Monats-Hoch von über 75 Dollar gestiegen.

Der Dax hatte sich am Donnerstag bereits bis auf 20 Punkte an sein Allzeithoch von 8 136 Stellen aus dem März 2000 herangearbeitet, drehte dann aber wegen Anschlagsängsten ins Minus. Insgesamt kam der Leitindex im Wochenverlauf nicht voran. Am Freitag pendelte das Börsenbarometer um die Marke von 8 000 Punkten und damit in etwa auf dem Niveau des Schlussstandes der vorangegangenen Woche.

Belastungen für den Aktienmarkt könnten von der Geldpolitik ausgehen. Marktteilnehmer deuteten Aussagen von EZB-Chef Jean-Claude Trichet nicht nur als Signal für eine Zinserhöhung im September, sondern auch als Hinweis auf eine weitere Straffung der Geldpolitik bis ins kommende Jahr hinein. „Die Zinsängste stehen wieder etwas stärker im Vordergrund“, erklärte Klude. Steigende Zinsen machen Anlagen in Rentenpapieren attraktiver und belasten damit den Aktienmarkt. Nach den Zinsentscheiden in der Eurozone und in Großbritannien richtet sich der Blick zur Wochenmitte auf die japanische Notenbank. Allerdings rechnen den Commerzbank-Analysten zufolge nur wenige Marktteilnehmer mit einer Zinserhöhung durch die Bank of Japan. Zunächst hatten auch die Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank und der britischen Notenbank noch für Beruhigung gesorgt. Die EZB bestätigte wie erwartet den Leitzins in der Eurozone, und ebenso erwartet erhöhten die Briten den ihrigen.

Diese Nachrichten hatten am Markt die Hoffnung geweckt, das leidige Thema Zinsanstieg eine Weile vom Radar zu bekommen. Der US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag hat diese Hoffnung jedoch zerstört: Mit einem kräftigen Anstieg bei den neu geschaffenen Stellen und einer ebenso kräftigen Revision der Zahlen aus den Vormonaten nach oben zeigte sich die US-Konjunktur in besserer Verfassung als erwartet. „Zinssenkungsideen wurde damit eine klare Absage erteilt“, hieß es dazu von Analystenseite. Als noch belastender habe sich daneben der Anstieg der US-Stundenlöhne erwiesen. Sie legten im Juni um 3,9 Prozent zum Vorjahr zu, erwartet hatten Beobachter nur plus 3,7 Prozent. Der Lohnanstieg im Mai wurde sogar auf plus 4,0 Prozent hochrevidiert nach zuvor vermeldeten plus 3,8 Prozent. Marktstrategen rechnen nun damit, dass die Kurse am Rentenmarkt nach diesen Daten weiter in die Tiefe rauschen und die Aktienmärkte mitziehen. Ein Allzeithoch im Dax könnte in diesem Falle in weitere Ferne gerückt sein als bislang gedacht.

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