Börsendaten
Neue Konkurrenz für Börsen

Das Geschäft mit Börsendaten wird immer wichtiger. Wer Einblick in das Marktgeschehen hat, kann seine eigenen Handelsstrategien darauf abstimmen. Weil viele Großanleger bereit sind für solche Daten zu bezahlen, wollen nun auch die Investmentbanken in diesen Bereich einsteigen. Sie planen über eine neue europäische Plattform Kursdaten zu vermarkten.

FRANKFURT. Neun große Investmentbanken, darunter die Deutsche Bank und Weltmarktführer Citigroup, wollen den Börsen in Europa Konkurrenz bei der Vermarktung von Kurs- und Handelsdaten machen. An- und Verkaufsgebote sowie die Kurse im außerbörslichen Wertpapierhandel (OTC-Handel) sollen über eine gemeinsame europäische Plattform verbreitet werden, teilten die Banken am gestrigen Dienstag mit. „Von dieser Plattform werden beträchtliche Kostenvorteile im Hinblick auf die Verbreitung von Handelsberichten und Marktdaten erwartet“, erklärten die Initiatoren. In einer zweiten Phase könnte die Plattform auch für die Verbreitung anderer Daten genutzt werden, Handel mit Wertpapieren sei auf der Plattform jedoch nicht geplant. Der Markt für Handelsdaten aus den Finanzmärkten wird derzeit weltweit auf rund 13 Mrd. Euro geschätzt.

Möglich wird der Markteintritt der Banken durch die europäische Finanzmarktrichtlinie Mifid (Markets in Financial Instruments Directive), mit deren Inkrafttreten zum 1. November 2007 gerechnet wird. Sie erlaubt erstmals in Europa auch anderen Firmen außer Börsen, Handelsinformationen zu verbreiten. Für OTC–Daten entsteht dadurch in der EU ein neuer Markt, der jedoch von Land zu Land sehr unterschiedlich ist. So müssen diese Daten in England bereits heute an die Londoner Börse (LSE) gemeldet werden, die für das Sammeln eine Gebühr erhebt und gleichzeitig die aggregierten Daten weiterverkauft. Für LSE-Chefin Clara Furse ist dies ein wichtiges Geschäftsfeld. Der Handel mit Daten macht immerhin 32 Prozent ihrer Umsätze aus. In dieses Geschäft wollen die großen Investmentbanken nun einbrechen.

In Deutschland werden OTC-Geschäfte erst mit der Einführung von Mifid meldepflichtig. Die Deutsche Börse plant derzeit diese und andere von Mifid verlangten Daten in einem eigenen System zu sammeln und im Falle des Weiterverkaufs die Teilnehmer an den Erlösen zu beteiligen.

Sowohl die Deutsche Börse als auch die LSE hielten sich am Dienstag mit Kommentaren zum neuen Wettbewerber zurück. Beide betonten, Mifid eröffne auch den Börsen neue Chancen, ihren Kunden zusätzliche Dienstleistungen anzubieten.

Die neue Plattform ist ein weiteres Kapitel der Konkurrenz von Börsen und Banken in Europa. Seit sich die Banken von ihren Anteilen an den Börse getrennt haben und diese nun selbst börsennotiert sind, kritisieren die großen Banken die Monopolstellung und die Gebührenpolitik der großen Börsenbetreiber. Das geht soweit, dass die Londoner Investmentbankengruppe Liba die Deutsche Börse mit Hilfe der EU-Kommission zwingen will, sich von ihrer Abwicklungs- und Abrechnungsplattform Clearstream beziehungsweise Eurex Clearing zu trennen. Im Falle von Eurex Clearing geht es ihnen dabei vor allem um die Senkung der Abrechnungsgebühren.

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