Chef des Chicago Board of Trade verspricht Spareffekte und dämpft die Kritik am Rivalen Eurex
Chicagos Derivatebörse startet neues System

Das Chicago Board of Trade (CBOT) hat ein neues elektronisches Handelssystem eingeführt. Gleichzeitig startete die Abwicklungsorganisation von CBOT und Chicago Mercantile Exchange (CME). „Alles lief glatt, wir haben unseren Zeitplan voll eingehalten“, sagte CBOT-Chef Bernard „Bernie“ Dan dem Handelsblatt.

NEW YORK. Mit dem neuen Handelssystem leitet die CBOT den Abschied vom alten A/C/E-System ein. Dessen Technologie hatte noch der deutsch-schweizerische Terminmarkt Eurex bereit gestellt. Doch die Kooperation zwischen den beiden Derivatemärkten zerbrach, und nun baut die Eurex eine eigene Terminbörse in den USA auf. Die Technologie für das neue Handelssystem lieferte Euronext-Liffe, die zur europäischen Börse Euronext gehört.

Im Handelsblatt-Interview schlug Dan ungewohnt moderate Töne gegenüber der drohenden Konkurrenz durch die Eurex an. „Wir haben den Eindruck, dass die Eurex ihren Zulassungsantrag in einigen Punkten überarbeitet, die wir kritisiert haben, und das ist gut so“, sagte Dan. Bislang macht die CBOT mit ihrem Schwesterunternehmen CME massiv Front gegen die Eurex-Pläne. Bei einer Anhörung vor US-Politikern erklärten beide Firmen, das Geschäftsmodell der Eurex verletze womöglich die gesetzlichen US-Richtlinien für regulierte Terminmärkte. Die Eurex braucht eine Zulassung von der zuständigen Regulierungsbehörde CFTC, damit ihre Tochter Eurex US wie geplant im nächsten Jahr starten kann.

In einem weiteren Punkt dämpfte Dan seine Kritik an der Eurex: CBOT und CME hatten jüngst die Rechtmäßigkeit einer Vereinbarung zwischen Eurex und dem US-Branchenverband NFA angezweifelt. Danach soll die NFA die Eurex US als Regulierungsstelle überwachen. „Wir wollten nur prüfen lassen, ob diese Übereinkunft mit dem Statut der NFA übereinstimmt und planen in dieser Sache keine weiteren Schritte“, sagte Dan.

Die US-Pläne der Eurex bedrohen die Chicagoer Platzhirsche CBOT und CME, weil die Europäer als vollelektronischer Handelsplatz viel niedrigere Kosten haben. Sie können deshalb mit Kampfpreisen locken – wie bereits vor Jahren in London geschehen. Anfang der 90er Jahre jagte die Eurex der Liffe Marktanteile ab, was die Londoner ihre Selbständigkeit kostete. „Im Unterschied zur Liffe damals haben wir jetzt ein leistungsfähiges elektronisches Handelssystem“, sagte CBOT-Chef Dan, „deshalb sehen wir uns besser gerüstet“.

Sie dieser Woche übernimmt die Chicago Mercantile Exchange (CME) einen Großteil der Abwicklungslungsdienste für die CBOT. Das Clearing spielt wegen der hohen Einsätze an Terminmärkten eine wichtige Rolle. Bei der Clearingstelle müssen alle Investoren Sicherheiten hinterlegen. Durch das zentralisierte Clearing können laut CBOT die Sicherheitsleistungen branchenweit um 1,4 Mrd. $ sinken.

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