Commerzbank-Aktie
Wie Dr. A von Psychofalle zu Psychofalle tappte

Hat das Leiden nie ein Ende? Fast drei Prozent hat die Commerzbank-Aktie 2014 schon verloren. Dr. A kennt die Gefühlskrisen, die Anleger mit der Aktie erleben – er war selbst einer. Ein Lehrstück in Börsenpsychologie.
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DüsseldorfJahreslang hat Dr. A sich geärgert, manchmal verzweifelte er fast. Regelmäßig verhagelte ihm die Tagesschau die Laune, dann ging er schlecht gelaunt ins Bett. Manchmal keimte auch ein kleines Pflänzchen Hoffnung – um im nächsten Moment zertrampelt zu werden. Wenn der 63-Jährige in den vergangenen Jahren auf sein Depot schaute oder in den Wirtschaftsteil der Zeitung, dann kochten regelmäßig die Emotionen hoch. Schuld daran war die Commerzbank-Aktie.

Zum Glück betrachtet der leitende Beamte das Leben mit einem Schuss Ironie. Sein Leiden als Commerzbank-Aktionär hätte er sonst kaum ertragen. „Ich bin enttäuscht. Und zu dem Frust kommt auch Wut. Die haben nicht mit offenen Karten gespielt. Die haben uns toxische Papiere verheimlicht. Die haben uns an der Nase herumgeführt“, ärgerte er sich im Mai 2012. Damals hat er Handelsblatt Online von seinen Erfahrungen als Anteilseigner von Deutschlands zweitgrößter Bank berichtet, jetzt haben wir uns ein weiteres Mal getroffen.

Wo die Commerzbank-Aktie gerade steht, das weiß Dr. A nicht. Dass die Aktie im Frühjahr rasant gestiegen ist – nämlich auf mehr als 14 Euro –, das hat er nur am Rande mitbekommen. Auch, dass sie seither wieder im Sinkflug ist. Er schaut nicht mehr Tag für Tag auf den Kurs, im Gegenteil. „Für mich gibt es die Aktie nicht mehr, ich verfolge sie auch nicht mehr“, stellt Dr. A klar. Anfang des Jahres hat er die Reißleine gezogen. „Nix wie raus aus der Commerzbank-Aktie. Auf nimmer Wiedersehen!“, hat er sich gedacht. 

Sein Engagement bei Deutschlands zweitgrößter Bank hat ihm in den vergangenen Jahren oft gehörig die Stimmung verdorben. Er hat wohl alle emotionalen Hochs und Tiefs erlebt, die ein Börsianer überhaupt durchleben kann. „Es sind nicht nur unheimliche, sondern auch heimliche Leiden – man erzählt das ja nicht so gern, eigentlich eher ungern. Schließlich hat man viel Geld versenkt“, sagte er im Mai 2012. „Ich habe viele Fehler gemacht – und ich habe pausenlos darüber geredet, auch wenn man eigentlich nicht damit hausieren gehen mag.“

Wer offen über seine Geldanlagen spricht, erhöht den emotionalen Druck. Denn die Verbundenheit mit den Papieren – Psychologen nennen das neudeutsch Commitment – wächst. Läuft es gut, ist das nicht so schlimm. Läuft es aber wie im Fall von Dr. A schlecht, dann wächst der Rechtfertigungsdruck. Schließlich will kein Anleger als Verlierer dastehen, niemand will sich seine Fehlentscheidungen eingestehen, sich schon gar nicht vor Freunden oder Kollegen rechtfertigen müssen. „Menschen operieren nicht im luftleeren Raum“, erklärt Manfred Hübner vom Analysehaus Sentix im Interview mit Handelsblatt Online. „Sie suchen und finden vermeintliche Bestätigung ihrer subjektiven Ansichten und Vorurteile.“ Ihr Ausweg: schönreden, negative Nachrichten umdeuten oder gleich ganz ignorieren, positive Faktoren überhöhen, Durchhalteparolen verbreiten. Genau das hat Dr. A getan, so wie Zehntausende Aktionäre es tagtäglich tun.

Kommentare zu " Commerzbank-Aktie: Wie Dr. A von Psychofalle zu Psychofalle tappte"

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  • Frei nach der Werbung "braucht Deutschland noch eine Bank, die einfach so weiter macht?" abgewandelt in "Braucht Deutschland überhaupt noch eine Bank, an der der Staat mit 17% beteiligt ist?" Das Geschäftsmodell ist keins, denn mit dem eigentlichen Kerngeschäft verdienen sie jedes Jahr weniger, denn richtige Banken mit richtigem Management greifen an zB HSBC und BNP. Staatsbeteiligungen waren noch nie die ANtwort auf schlechtes Management. Das Investmentbankinggeschäft ist auch völlig überdimensioniert mit extrem hohen Fixkosten, vom Management ganz zu schweigen. Der Artikel bietet aber keine wirklich neuen Erkenntnisse weder handelstechnisch noch in Bezug auf die Commerzbank. Der Staat sollte auch seinen Stop-Loss ziehen und das Geld intelligenter investieren. Auch sie werden den Einstandskurs NIE mehr wieder sehen.

  • ......
    SCHWARZERS HUMOR..!!
    ......
    wenn Unwissenheit weh täte -
    wäre der Artikel ein Hörbuch.
    ..

  • Kinder fassen auf die Herdplatte und fassen sie nicht mehr an, Dr. A sollte Aktien generell nicht mehr anfassen, wenn er nicht mit Verlusten leben kann ;)

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