Deutsche Banken werben um Vertrauen
Bankberatung: Rezepte gegen die Wut

Privatanleger misstrauen den Banken. Viele sehen ihre Ersparnisse in Gefahr. Jetzt gehen die Geldhäuser in die Offensive - und wollen wieder als kompetente Berater gelten. Doch was taugen ihre Tipps? Ein Selbstversuch.

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FRANKFURT. Jetzt steht sie doch da. Inge Maria B. (vollständiger Name der Redaktion bekannt) hätte sich nicht träumen lassen, dass sie mit 66 Jahren noch auf die Straße geht. Doch seit Januar hängt sie sich Woche für Woche das selbst gebastelte Schild um den Hals. An diesem Tag versammeln sich knapp ein Dutzend Lehman-Anleger vor der Frankfurter Sparkasse (Fraspa) zur Mahnwache. Ein Dutzend von allein bei dieser Bank 5 000 Betroffenen, die ihr Geld in Lehman-Zertifikate steckten. Ihr Erspartes hat sich vorerst in Luft aufgelöst - genau wie ihr Vertrauen. "Vertrauen? Kein Stück! Ich will mein Geld zurück", steht auf einem Schild. B. schüttelt den Kopf: "Mein Mann sagt: Hol? das restliche Geld ab, ich habe ein ungutes Gefühl, je länger es auf der Bank liegt." In Zeiten wie diesen, in denen Kunden ihren Beratern selbst Prügel androhen, ist das Vertrauen mancher Klienten tiefer gesunken als die Aktienkurse.

Das Vertrauen jedes zweiten Deutschen in die Banken hat angesichts der Finanzkrise stark gelitten. Kurz nach Lehman sagte das erst rund jeder Dritte. Das ist das Ergebnis einer aktuellen, repräsentativen Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Banken, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Beim Vertrauen in die eigene Bank sieht es besser aus: Jeder Zweite gibt an, sein Vertrauen habe überhaupt nicht gelitten (siehe "Was Kunden von den Geldhäusern halten"). Wenig vertrauenswürdig klingt eine Zahl, die das Verbraucherschutzministerium Ende 2008 veröffentlichte: Wegen schlechter Finanzberatung verlieren Sparer im Jahr bis zu 30 Mrd. Euro, heißt es in der Studie mit Bezug auf 2005.

Jetzt predigen die Kommunikationsabteilungen der Banken wie aus einem Munde die Renaissance der Beratung. Commerzbank-Privatkundenvorstand Achim Kassow gibt zu: "Wir haben in den vergangenen Jahren zu oft Renditeberatung statt Anlageberatung geleistet", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Er wisse aus Umfragen, dass 30 Prozent der Bankkunden die Bank nach einem Beratungsgespräch mit dem Gefühl verließen, nicht alles verstanden zu haben.

Nun schalten die Sparkassen und die Deutsche Bank großflächig Anzeigen. "Welche Anlageentscheidung sollte ich jetzt treffen?", fragt eine junge Frau in einer Kampagne. "Unsere Beratung macht klare Aussagen", antwortet die Deutsche Bank.

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