Deutsche Börse
Aufsteiger haben es schwer

Wenn die Deutsche Börse am nächsten Dienstag in Frankfurt den 20. Geburtstag des Deutschen Aktienindex (Dax) feiert, darf auch der Vorstand der Volkswagen AG eine Flasche Champagner köpfen. Als Gründungsmitglied ist VW der renditestärkste Wert im Dax - viele Neulinge hingegen enttäuschen nach ihrer Aufnahme in den Index.

FRANKFURT. Mit einer jährlichen Rendite von im Schnitt 16,4 Prozent pro Jahr ist die VW-Stammaktie der stärkste Wert aller Dax-Gründungsmitglieder, die bis heute unverändert im Kreis der 30 größten deutschen Aktiengesellschaften weilt. Anders formuliert: Wer am 1. Juli 1988 10 000 Euro in die VW-Aktie investiert und Dividenden wiederangelegt hätte, verfügte heute über knapp 210 000 Euro. Wer hingegen damals sein Geld in Daimler-Papiere gesteckt hätte - dem im Hinblick auf die Kursentwicklung der Gründungsmitglieder schlechtesten Wert -, käme heute nur auf rund 25 000 Euro. Mit dem Dax selbst wuchs aus einer Investition von 10 000 Euro ein Vermögen von 55 000 Euro, was einer jährlichen Rendite von 9,1 Prozent pro Jahr entspricht.

Dass sich der Dax damit über 20 Jahre besser schlug als der US-Standardwerteindex S&P 500 (plus 8,2 Prozent jährlich) oder der EuroStoxx 50 (plus 7,8 Prozent pro Jahr), ist einfach erklärt: Als Performance-Index werden Dividenden in der Kursberechnung berücksichtigt. Eine andere Eigenschaft des Dax nehmen viele Anleger hingegen wie selbstverständlich hin, obwohl sie nicht unumstritten ist: Als kapitalgewichteter Index ist der schiere Börsenwert von Unternehmen - errechnet aus der Zahl der handelbaren Aktien multipliziert mit dem Kurs - der wichtigste Faktor, sowohl für die Zusammensetzung des Index als auch die Gewichtung der einzelnen Werte. Dieses Vorgehen war zum Zeitpunkt der Einführung des Dax im Jahr 1988 selbstverständlich und stellte bereits einen deutlichen Fortschritt zu antiquiert berechneten Vertretern wie den Dow Jones dar. "Wenn sich der Kurs verdoppelt, verdoppelt sich das Gewicht der Aktie im Index. Das klingt nicht nach einer langfristig besonders klugen Investmentstrategie, von stark gestiegenen Aktien viele und von gefallenen wenige zu kaufen", argumentiert etwa Jason Hsu, Partner bei Research Affiliates (Rafi). Das US-Institut entwickelt mit dem Verweis auf die Nachteile kapitalgewichteter Indizes alternative Methoden der Indexzusammenstellung.

Tatsächlich war die Aufnahme in den Dax in den vergangenen 20 Jahren für die meisten Unternehmen im Hinblick auf ihre relative Kursentwicklung zum Dax eher eine Bürde. Elf von 17 Dax-Aufsteigern entwickelten sich ab dem Tag ihrer Indexaufnahme und über die Dauer ihrer Indexzugehörigkeit selbst inklusive Dividenden schlechter als der Dax. Nur vier liefen (siehe Grafik) ab ihrer Indexaufnahme besser als der Dax. Ein Blick auf die Kursentwicklung der Aufsteiger vor der Bekanntgabe des Aufstiegs zeigt, dass inzwischen viele Anleger den Indexaufstieg lange vor der Nachricht antizipieren und entsprechende Positionen eingehen: Sie kaufen die potenziellen Aufsteiger und verkaufen die Absteiger. Hochgerechnet auf eine Jahresrendite entwickeln sich die Aufsteiger in den drei Monaten vor ihrem tatsächlichen Indexaufstieg um 125 Prozent besser als der Dax. An diesem Bild ändert auch der massive Mittelzufluss in passive Indexfonds wenig, die eigentlich erst am Tag der Indexaufnahme in die Aufsteiger investieren. "Die Indexfonds kaufen nicht direkt physisch die Aktien am Markt zur Indexaufnahme, sondern beziehen diese von ihren sogenannten Market Makern. Wann die jedoch ihre Stücke kaufen, ist ihnen überlassen, in der Regel agieren sie natürlich vor Indexveränderungen, weil sie punktuell mit der Nachfrage nach einer bestimmten Zahl von Aktien am Tag der Indexveränderung planen können", erläutert Christian Grabbe, Chefhändler der Baaderbank. "Viele Spekulanten kaufen frühzeitig vor Indexveränderungen Aktien zu, um sie an Indexfonds weiterzureichen", sagt auch Carsten Hilck, Portfoliomanager der Union Investment. Auch falle der Leerverkauf einer Aktie - also die Spekulation auf fallende Kurse - für Spekulanten nach dem Aufstieg in einen bekannten Index leichter.

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