Deutsche Börse
Handelssystem Xetra kommt zu neuen Ehren

Massive Kritik erntete die Deutsche Börse als sie ihr Handelssystem Xetra einer Fusion mit der französisch dominierten Vierländerbörse Euronext opfern wollte. Nun, da die Blütenträume einer Fusion geplatz sind, soll die Vermarktung des Aushängeschildes der Frankfurter im Ausland mit neuem Schwung beginnen.

An seinem heutigen neunten Geburtstag gilt für das elektronisches Handelssysteme Xetra der Deutschen Börse: Totgesagte leben länger! Sollte es im Sommer noch als Zugeständnis der Frankfurter für eine Fusion mit der Vierländerbörse Euronext geopfert werden, steht es nach Scheitern dieser Pläne vor gut zehn Tagen wieder im Zentrum der Strategie von Börsenchef Reto Francioni. „Wir werden Xetra jetzt weiter vermarkten“, sagte Francioni dem Handelsblatt. Die Hoffnung: Neben den Börsen Dublin, Wien und Schanghai könnten auch andere Handelsplätze das System in Zukunft nutzen. Auf dieser Schiene könnte Frankfurt –anders als durch eine große Fusion – in kleinen Schritten die Konsolidierung des Sektors mitbestimmen. Vorbild ist dabei die skandinavische OMX, deren Systeme an 60 Börsen weltweit laufen.

Während die Börse Dublin letztes Jahr ihren Xetra-Vertrag bis 2010 verlängerten, steht für Wien bald die Entscheidung darüber an, welchem Handelssystem die Zukunft gilt. „Da der Vertrag Mitte 2008 ausläuft, werden wir bis Mitte nächsten Jahres über eine Verlängerung oder die Investition in eine andere Plattform entscheiden", sagte der Wiener Börsenvorstand Michael Buhl. Experten halten das Urteil Wiens im kommenden Jahr für mitentscheidend für den zukünftigen Vertriebserfolg von Xetra. „Sollte sich Wien für ein OMX-System entscheiden, wäre das ein herber Image-Verlust“, sagte ein Analyst. Wien sitze daher bei den Verhandlungen, bei denen der Preis eine entscheidende Rolle spielen werde, am längeren Hebel. Zuletzt hatte die OMX jedenfalls im IT-Poker die Nase vorn, als sie von Wien den Auftrag für eine IT-Plattform für den Vertrieb von Börsendaten erhielt.

Xetra gilt als eigentliches Rückrat des operativen Erfolges der Deutschen Börse. Als eine der ersten Handelplätze setzte Frankfurt 1997 konsequent auf elektronischen Handel. Erst löste Xetra das Interbankensystem Ibis ab, dann mutierte die Derivatebörse Eurex dank ihrer ähnlich aufgebauten elektronischen Handelsplattform zum Weltmarktführer. Größter Erfolg: Der auf das Londoner Parkett abgewanderte Handel mit dem Bund-Futures, ein Kontrakt auf deutsche Staatsanleihen, wurde durch die Eurex zurück gewonnen. Auf Xetra werden heute mehr 90 Prozent des Handels mit deutschen Standardwerten abgewickelt.

Der Verkauf Xetras an ausländische Börsen litt dagegen – nach anfänglichen Erfolgen – auch darunter, dass die Frankfurter zu viel Managementkapazität auf die Übernahme eines großen Konkurrenten konzentriertem. Außerdem wollten sich kleinere Börsen nicht von dem als zentralistisch geltenden Frankfurter Koloss abhängig machen, sagen Analysten. Dazu passt die in Frankfurt kolportierte Geschichte, Ex-Börsenchef Werner Seifert habe das Werben um die zahlungskräftige Börse Dubai vor Jahren eingestellt, um sich voll dem später gescheiterten Plan zum Kauf der Londoner Börse zu widmen. Am Ende bekam die Euronext den Vertrag mit den reichen Ölscheichs. Jetzt, da die Euronext aber durch die Fusion mit der von den Arabern ungeliebten New Yorker Börse zum Giganten mutiert, scheint das Pendel in die Gegenrichtung zu schlagen. Jedenfalls halten sich in Frankfurt und Paris unkommentierte Gerüchte, Dubai könne sich nun wieder Deutschen Börse zuwenden.Andere Euronext-Kunden, die den Einfluss der US-Börse ebenfalls scheuen, könnten folgen.

Auch im Wettbewerb mit den deutschen Regionalbörsen, Speziell im Kampf gegen die Stuttgarter Konkurrenz, will Frankfurt Xetra stärker einsetzen. Ab 2008 startet ein neuer Versuch, Zertifikate und Optionsscheine auf Xetra handelbar zu machen. Als vor Jahren ein solcher Versuch scheiterte, Stuttgart setzte sich als Marktführer in diesem Bereich durch. Um diese Position anzugreifen, soll nun die Derivatebörse „Alex“ – ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Schweizer Börse SWX – auf dem Xetra laufen.

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