Ein Jahr Kreditkrise: Die Lehren aus dem Desaster
Sturm über Wall Street

Alles begann mit einer winzigen Meldung: Vor einem Jahr brach die Subprime-Krise an den Finanzmärkten aus. Zwölf Monate später zieht sich eine Spur der Verwüstung durch die Branche. Eine Chronologie des einzigartigen Desasters.

NEW YORK. Die schwerste Finanzkrise seit der großen Depression in den 20er-Jahren begann mit einer kleinen Meldung im "Wall Street Journal". Am 12. Juni 2007 berichtete die US-Wirtschaftszeitung in 90 dürftigen Worten, dass zwei Hedge-Fonds der Investmentbank Bear Stearns unerwartet hohe Verluste durch Hypothekengeschäfte minderer Qualität (Subprime) erlitten hatten. Die Ertragskraft von Bear Stearns werde davon vermutlich nicht beeinträchtigt, schrieb das "Journal" damals.

Das muss offenbar auch Bear-Stearns-Chef James Cayne gedacht haben, der sich durch die beunruhigenden Nachrichten nicht vom Bridge- und Golfspiel abhalten ließ. Ein Jahr später sind Bear Stearns und auch Cayne Geschichte - hinweggefegt von einem Sturm, der die Finanzmärkte noch immer in Atem hält.

Kurz zuvor hatte der damalige UBS-Chef Peter Wuffli den hauseigenen Hedge-Fonds Dillon Read wegen hoher Verluste im Subprime-Geschäft geschlossen. Auch Wuffli überstand das Debakel seiner Bank nicht. Er wurde gefeuert und UBS hat seitdem etwa 37 Mrd. Dollar auf komplexe Finanzprodukte abgeschrieben. Die meisten davon waren Kreationen aus dem Hypothekengeschäft in den USA.

Nach zwölf Monaten hat die Kreditkrise eine Spur der Verwüstung in der Finanzwelt hinterlassen. Weltweit haben Finanzinstitutionen etwa 390 Mrd. Dollar auf riskante Kreditprodukte abgeschrieben. Die sieben größten Finanzinstitute in den USA haben nahezu die Hälfte aller Gewinne verloren, die sie in den Boomjahren seit 2004 eingefahren hatten. Allein an der Wall Street haben mehr als 50 000 Banker ihren Job verloren - darunter Top-Manager wie Stanley O?Neal (Merrill Lynch), Charles Prince (Citigroup) oder Martin Sullivan (AIG). Die US-Wirtschaft taumelt einer Rezession entgegen. Und die Notenbanken versuchen mit billigem Geld, das Schlimmste zu verhindern.

Obwohl das Hedge-Fonds-Debakel von Bear Stearns im Juni 2007 häufig als Beginn der Subprime-Krise gesehen wird, reichen die Ursachen viel weiter zurück. Gelegt wurde die Saat bereits 2001, nachdem die Technologieblase an den Weltbörsen geplatzt war. Der damalige US-Notenbank-Chef Alan Greenspan drückte die Leitzinsen in den Folgejahren bis auf ein Prozent hinunter, um die wirtschaftlichen Schäden des Dotcom-Desasters zu mildern. Zugleich überschwemmte eine Flut von Ersparnissen die Kreditmärkte mit billigem Geld. Beides zusammen setzte das Risikobewusstsein in der Finanzwelt außer Kraft. Selbst für die riskantesten Investments schmolzen die Aufschläge auf ein nie dagewesenes Niveau zusammen.

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