Fast 900 000 Anteilseigner weniger im ersten Halbjahr 2006
Anleger laufen der Börse in Scharen davon

Nach einem leichten Höhenflug 2005 ist die Zahl der Aktionäre in Deutschland wieder rapide gesunken: Wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) in Frankfurt am Main am Mittwoch mitteilte, gab es im ersten Halbjahr 2006 fast 900 000 Aktionäre weniger als in den ersten sechs Monaten 2005.

HB FRANKFURT. Die wiedererwachte Aktienmuffeligkeit der Bundesbürger führt das DAI zum einen auf Gewinnmitnahmen und den Rückgang der Kurse und zum anderen auf die Diskussion über die künftige Kapitalertragsbesteuerung zurück.

Das Auf und Ab beim Aktieninteresse zieht sich jetzt schon über mehrere Jahre. In den Boomzeiten der Börse ab Ende der 90er Jahre waren noch sprunghafte Anstiege der Aktionärszahlen zu verzeichnen: Allein von 1999 auf 2000 strömten rund 3,5 Millionen Investoren in den Markt.

Mit der anhaltenden Talfahrt setzte die Gegenbewegung ein. Mehr als eine Million Anleger flüchteten allein von 2001 auf 2002. Doch hielt sich die Zahl der Geldanleger in Aktien oder Fonds über der Zehn-Millionen-Marke, 2005 war sogar wieder ein kleines Plus von rund 300 000 zu verzeichnen. Nun ist die Zahl der Aktionäre erstmals seit 1999 wieder unter die Zehn-Millionen-Marke gesunken und liegt bei 9,905 Millionen.

Laut Aktieninstitut ist der Rückgang sowohl bei der Zahl der reinen Aktionäre (minus 7,7 Prozent), der reinen Fondsbesitzer (minus 8,3 Prozent) sowie der Investoren in beide Anlagegruppen (minus neun Prozent) zu verzeichnen. Damit habe es im ersten Halbjahr 2,5 Mill. reine Aktienanleger, 5,5 Mill. ausschließlich in Fonds investierende Anleger und 1,8 Mill. Investoren für beide Formen gegeben. DAI-Leiter Rüdiger von Rosen sprach angesichts der Zahlen von einem „Schlag für die Aktienakzeptanz in Deutschland“.

Die Aktionärsschützer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sehen einen wesentlichen Grund in dem Rückgang auch darin, dass Anleger ihr Geld umschichten. DSW-Sprecher Jürgen Kurz sagte der Nachrichtenagentur AP: „Zur Zeit findet einfach eine relativ normale Umschichtung aus dem Aktienmarkt und in den Rentenmarkt statt.“ Die Wirtschaftsdaten der Unternehmen seien gut, aber die Rahmendaten der Wirtschaft insgesamt - allem voran der Ölpreis - seien schwer einzuschätzen, das mache auch die Anlageentscheidung schwierig.

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