Fehlspekulationen
VW verzerrt den Markt – Börse ändert Regeln

Die Kursexplosion bei VW hat den Aktienmarkt völlig durcheinander gebracht. Nach massiver Kritik will die Börse nun handeln: Die Dax-Zusammensetzung soll sich ändern. Auch Porsche kündigte eine Reaktion an.

FRANKFURT. Die VW-Aktie schnellte gestern zeitweise um 100 Prozent nach oben und kostete in der Spitze mehr als 1 000 Euro. Das Unternehmen machte fast ein Drittel des gesamten Gewichts im Deutschen Aktienindex (Dax) aus – und verzerrte damit den Index komplett. Stände der VW-Kurs heute dort, wo er vor Beginn der Börsenturbulenzen notierte, würde der Dax aktuell bei nur noch 3 375 Punkten notieren, so niedrig wie zuletzt im Krisenjahr 2003.

Für einen kurzen Moment war Volkswagen mit einem Börsenwert von 300 Milliarden Euro das teuerste Unternehmen der Welt – noch vor dem Ölkonzern Exxon.

Angesichts der Kurskapriolen will die Deutsche Börse die VW-Gewichtung im Dax bereits ab Montag deckeln. Die Aktie solle auf zehn Prozent zurückgesetzt werden, „sofern sie diese Schwelle mit Abschluss des Handels am Freitag überschreitet“, teilte der Börsenbetreiber mit.

Wie sich die Neugewichtung im Dax auf die einzelnen Werte auswirken wird, ist schwer zu sagen. "Dies wird den Druck auf VW drastisch senken und in den kommenden Tagen ist mit deutlichen Kursrückgängen in VW zu rechnen", sagt Christian Stocker, Indexexperte der Unicredit. Zum Handelsstart am Mittwoch brach die Aktie um fast 40 Prozent auf 530 Euro ein. Größte Profiteure seien Stocker zufolge die Schwergewichte im Dax wie Eon, Telekom, Bayer, Siemens, Allianz und RWE – seien hier nach Prozentpunkten gerechnet die größten Gewichtungserhöhungen zu erwarten.

Die Forderung, die Börse hätte die VW-Aktie aufgrund der extremen Kursanstiege aussetzen müssen, wies ein Sprecher indes zurück: „Das gibt unser Regelwerk nicht her.“ Es gebe drei Gründe für Handelsaussetzungen: wenn Aktien nicht lieferbar sind, wenn bei ausländischen Werten die Notierung am Heimatmarkt ausgesetzt ist oder wenn die Informationslage über ad-hoc-pflichtige Tatbestände wie eine Gewinnwarnung unklar ist. „Nichts davon traf bei VW zu“, sagte der Sprecher.

Zuvor war massive Kritik laut geworden. „Im jetzigen Exzess muss die Börse reagieren“, sagte Christian Stocker. Bei Volatilitäten wie bei VW müsse eine Aktie auch vom Handel ausgesetzt werden können. Michael Punzet von der DZ Bank, der den Anstieg der Aktie am Vortag fast exakt vorausgesagt hat, forderte die Deutsche Börse zum Handeln auf. „Durch den VW-Anstieg im Dax ergeben sich massive Verwerfungen – zum Beispiel bei Absicherungsgeschäften von Versicherungen und Fonds“, sagte Punzet.

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