Fondsmanager
Analysten richten sich verstärkt an Profis

Wertpapierexperten reservieren ihre Studien zunehmend für Fondsmanager und die eigene Bank. Meist besorgen sich Fondsmanager gleich mehrere Analystenstudien, um so einen Einblick in die aktuelle Marktmeinung zu einer Aktie oder einer Branche zu bekommen.
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FRANKFURT. Die Finanzkrise hat die Welt der Analysten massiv durcheinander gebracht. "Die Banken als die Institute, die diese Berufsgruppe beschäftigen, wollen deren Know-How oft nicht mehr ohne Gegenleistung in die Öffentlichkeit stellen", sagt Fritz Rau, Vorstandsvorsitzender des Analystenvereinigung DVFA. Der Verband feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen.

Für Privatanleger bedeutet das, die Zahl der Sell-Side-Studien - das sind Analysen, die an die Öffentlichkeit gehen - nimmt ab. Auf der Gegenseite steigt die Bedeutung der Buy-Side-Analyse. Das sind Studien, die nur für Portfolio-, Asset- oder Fondsmanager aus dem eigenen Haus oder bei anderen Instituten reserviert sind. Privatanleger profitieren so nur noch indirekt von Analystenstudien.

"Überhaupt werden Analysten heute viel stärker strategisch in der Bank eingesetzt als früher", sagt Ralf Frank, Geschäftsführer der DVFA. Renten- und Aktienteams sind enger miteinander verzahnt, beim Entwickeln von Zertifikaten stehen Studien flankierend zur Seite.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Früher versuchten Banken bei der Analyse komplette Bereiche wie die Aktien von Dax, MDax, TecDax und SDax abzudecken. Doch das Problem ist, dass die Umsätze in diesen Aktien sehr unterschiedlich sind. Deswegen haben sich auf der einen Seite Spezialistenteams beispielsweise für eine ganze Branche heraus kristallisiert, auf der Gegenseite stehen Experten, die sich nur um Nischenprodukte wie Nebenwerte kümmern.

Fondsmanager und Analysten arbeiten enger zusammen

Auch die Zusammenarbeit der Analysten mit den professionellen Abnehmern ihrer Studien hat sich geändert. "Der Wert der Arbeit des Sell-Side-Analysten wird von einem Portfoliomanager oft weniger in den Anlageempfehlungen gesehen", sagt Michael Schmidt, Leiter des Aktienfondsmanagements bei Union Investment. Er profitiert viel mehr von dessen Detailkenntnis und Spezialwissen, zum Beispiel in komplexen Fragestellungen der Rechnungslegung oder der Regulierung. Meist besorgen sich Fondsmanager gleich mehrere Analystenstudien, um so einen Einblick in die aktuelle Marktmeinung zu einer Aktie oder einer Branche zu bekommen.

Eines können die neuen Trends bei Analysten indes nicht verhindern: Wenn Großinvestoren wie Versicherungen und Pensionskassen eine immer niedrigere Aktienquote halten, dann braucht es dafür auch immer weniger Analysten.

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  • Wie kommen Sie denn darauf, dass Sell-Side Research für die "Öffentlichkeit" bestimmt ist und buy-Side Research nur für Fondsmanager? Das sind schlichtweg falsche Definitionen. Es ist an sich ganz einfach: Sell-Side Research wird von banken/brokern/unabhängigen Research-Häusern geschrieben, gleich ob für private oder für institutionelle investoren. buy-Side Research hingegen von den institutionellen investoren selbst, und damit natürlich nur für ihren eigenen Gebrauch. Sie sind seit 1999 Finanzjournalist und wissen das immer noch nicht? back to school!

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