Fünf Fragen an: Lydia Szabries
„Wir haben viel und intensiv gelebt“

Lydia Szabries war von Anfang an dabei. Die Bereichsleiterin von DBM Deutsche Börsenmakler hat den DAX-Handel erlebt, von der ersten Stunde bis zum heutigen Tag. Im Handelsblatt-Interview spricht sie über ihre Erfahrungen an der Börse.

Sie sind seit der ersten Dax-Stunde dabei. Wie war das damals an der Börse?

Die Preise wurden damals noch im großen Handelssaal gemacht. Der Handel fand entweder auf Zuruf statt oder die Order wurde schriftlich verteilt. Alle haben laut geschrien und mit ihren Orderbüchern gefuchtelt. Es herrschte jeden Tag viel Hektik mit den daraus resultierenden Fehlerquellen. Am nächsten Morgen brauchten wir immer eine Weile, um die Buchungen vom Vortag zu kontrollieren und zu korrigieren.

Sind Sie froh, dass diese Zeiten vorüber sind?

Spaß hat es damals schon gemacht. Es herrschte zwar ein ganz schön rauer Ton, aber wir waren eine eingeschworene Gemeinschaft. Es gab Cliquen, die haben sich jeden Tag an der Börse getroffen. Nach der Arbeit haben wir extrem viel Zeit miteinander verbracht. Wir haben viel und intensiv gelebt und viel gearbeitet.

Wie war es als Frau an der Börse?

Der Job als Börsenmakler war ein reiner Männerberuf, der eigentliche Handel fand unter den Herren statt. Die meisten Frauen haben wie ich als Handelsassistentinnen angefangen. Wir saßen in Telefonzellen am Rand, haben die Orders entgegengenommen und sind damit zu den Händlern geflitzt. Erst mit dem elektronischen Handel stiegen die Chancen der Frauen in diesem Beruf. Wahrscheinlich, weil es dann nicht nur darauf ankam, sich laut schreiend in der Hektik durchzusetzen.

Was hat sich mit dem elektronischen Handel geändert?

Nachdem Ende der 90er Jahre Xetra eingeführt wurde, haben die Banken ihre Händler von der Präsenzbörse abgezogen, da sich der Umsatz sukzessive auf Xetra verlagert hat. Außerdem sind die Qualitätsansprüche an eine Orderausführung im Laufe der Zeit stetig gestiegen. Wenn wir heute mit der Kursfeststellung etwa für Adidas beauftragt werden, haben wir nur 30 Sekunden für jeden Umsatz Zeit. Früher war es nicht reglementiert, in welcher Zeit ein Kundenauftrag abgewickelt werden musste. Mit Zunahme des elektronischen Handels wurde das System für den Anleger immer transparenter.

Was wünschen Sie dem Geburtstagskind für die nächsten 20 Jahre?

Als der Dax eingeführt wurde, konnten wir den Stellenwert der darin abgebildeten Bluechips sicher noch nicht einschätzen. Über die Entwicklung im europäischen Kontext hat man sich zu diesem Zeitpunkt noch keine Gedanken gemacht. Nun hat sich der Dax als europäischer Leitindex etabliert. Mein Wunsch wäre, dass er diese Stellung weiter ausbaut und sich auch weiterhin gegen andere große Marktplätze oder auch Indizes behaupten kann.

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