Hauptversammlungen
Andrang wie noch nie

Deutschlands größte börsennotierte Unternehmen locken so viele Aktionäre auf ihre Hauptversammlungen wie nie zuvor. Eine Auswertung des Handelsblatts hat ergeben, dass sich mit 59,2 Prozent des stimmberechtigten Kapitals die Präsenz gegenüber dem Vorjahr um knapp drei Prozentpunkte erhöht hat. Dank des Internets könnten es bald noch mehr werden.

DÜSSELDORF. Eine höhere Präsenz auf den Hauptversammlungen gab es zuletzt 1999. Vor neun Jahren waren 60 Prozent des stimmberechtigten Kapitals anwesend. Damals reichte allerdings oft eine Hand voll Aktionäre, um auf solch hohe Quoten zu kommen. Die meisten Unternehmen waren eng verflochten und die Aktien nicht so breit und international gestreut wie heute. Nach Auflösung der "Deutschland AG" sank die Präsenz bis auf 45,9 Prozent im Jahr 2005.

Den größten Zuwachs verzeichnete in diesem Jahr Tui. 10 000 Aktionäre in der Münchener Olympiahalle, 6 000 im Messezentrum Berlin und 2 800 beim Showdown zwischen Konzernchef Michael Frenzel und seinem norwegischen Opponenten John Fredriksen im Congress Centrum Hannover. Vorbei die Zeiten, in denen die Deutsche Bank oder der Sportartikelhersteller Adidas nur ein knappes Viertel seiner Aktionäre begrüßte und so eine kleine Minderheit Beschlüsse durchsetzen konnte - weil die Mehrheit fernblieb.

Sucht man nach Gründen für die steigende Besucherzahl ausgerechnet in Zeiten, in denen immer weniger heimische Anleger auf Aktien setzen, kristallisieren sich zwei große Treiber heraus: Ausländische Investoren steigern die Präsenz. Obendrein mühen sich die Unternehmen mehr um ihr Volk als früher. Aus Angst vor widerspenstigen Einzelinvestoren buhlen sie um das stimmberechtigte Kapital, damit es kraft Masse keine "Zufallsmehrheiten" gibt.

Wie ein Fanal wirkt bis heute der Fall Deutsche Börse. 2005, als die Aktionärspräsenz ein historisches Tief erreicht, gelingt es der britischen Beteiligungsgesellschaft TCI mit weniger als zehn Prozent des Kapitals, den Griff der Deutschen Börse nach der London Stock Exchange zu torpedieren. TCI erzwingt sogar den Rücktritt von Vorstandschef Werner Seifert. Die eigentlich für die Londoner Börse vorgesehenen Milliarden wandern in die Taschen von TCI und der übrigen Aktionäre: Der aggressive Hedge-Fonds drückt eine höhere Dividende durch.

Diese Politik gilt bei der Deutschen Börse bis heute. Einer der größten Dividendenknauserer mutiert so zu einem der ausschüttungsfreudigsten deutschen Konzerne. Ergebnis: Der Kurs schießt durch die Decke, und das keineswegs kurz-, sondern langfristig. Die Aktie zählt seit Jahren zu den Erfolgreichsten im Dax.

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