Hochfrequenzhandel
EU-Parlament will Blitzhändler an die Kette legen

Die Bundesregierung hat einen Gesetzesentwurf zur Regulierung des Hochfrequenzhandels verabschiedet. Damit soll der schnelle Börsenhandel ausgebremst werden. Weitaus weit reichender ist ein Vorhaben des EU-Parlaments.
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BerlinMit ihrer Regulierung des umstrittenen Hochgeschwindigkeitshandels an den Börsen springt die Bundesregierung nach Auffassung der Opposition und des Europäischen Parlaments viel zu kurz. In ihrem am Mittwoch verabschiedeten Gesetzentwurf verzichtet die schwarz-gelbe Koalition auf eine Mindesthaltefrist für Börsenaufträge, die den Hochfrequenzhandel massiv ausbremsen würde. Eine solche Frist fordern dagegen das Europaparlament und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) in seinem Konzept zur Finanzmarktkontrolle. Sein Nachfolger Wolfgang Schäuble warnte vor Übertreibungen: „Wir dürfen das Kind nicht mit dem Bade ausschütten“, sagte er. „Wir brauchen leistungsstarke Finanzplätze in Deutschland, sonst hat die Wirtschaft keine Wachstumschancen.“

Das Bundeskabinett brachte einen Gesetzentwurf auf den Weg, der unter anderem eine Zulassungspflicht für die Betreiber superschneller Handelscomputersysteme vorsieht. Diese durchforsten die Börsenkurse auf minimale Kursdifferenzen, aus denen sie dann mittels unzähliger Handelsaufträge binnen Sekundenbruchteilen Profit schlagen. Mit dem Regulierungsgesetz ist Deutschland Vorreiter in der Europäischen Union. Auf den Computerhandel entfallen mittlerweile 40 Prozent der Börsenumsätze, in den USA dürften es rund 70 Prozent sein.

Ziel der Bundesregierung sei es, Übertreibungen und Missbrauch zu bekämpfen, sagte Schäuble. Dazu würden etwa die Möglichkeiten der Aufsichtsbehörden und der Börsen gestärkt, den Handel bei ungewöhnlichen Kursschwanken zu unterbrechen. Zudem sollen Handelspraktiken wie „Scalping“ eingedämmt werden. Dabei wird versucht, Kurse durch irreführende Handelssignale zu beeinflussen. In der Vergangenheit hat der Hochfrequenzhandel wiederholt schwere Börsenturbulenzen ausgelöst. So waren beim „Flash Crash“ am 6. Mai 2010 an der Wall Street die Kurse binnen Minuten abgestürzt. Die Ursache war ein fehlerhafter Handelsauftrag, dessen Effekt die Super-Rechner verstärkten.

Von einem Verbot des Hochfrequenzhandels ist die Regierung weit entfernt. Auch eine Haltefrist für Börsenorders ist nicht in dem Gesetz vorgesehen. Der Vorschlag des Europäischen Parlaments für die EU-Gesetzgebung geht hier deutlich weiter: Die Abgeordneten fordern, dass ein Auftrag mindestens 0,5 Sekunden bestehen bleiben muss. Der zuständige Ausschuss verabschiedete diese Position am Nachmittag einstimmig, sie soll aber auch noch vom Gesamt-Plenum abgesegnet werden. Die Entscheidung sei ein gutes Signal dafür, dass die Verbraucher besser geschützt würden, sagte der Verhandlungsführer der Abgeordneten, Markus Ferber (CSU). Wie weit sich das Parlament damit durchsetzen kann, wird sich in den Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten zeigen, die noch in diesem Herbst beginnen sollen. Die EU-Richtlinie Mifid II, die auch den Hochfrequenzhandel stärker reguliert, soll ab 2014 gelten.

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Kommentare zu " Hochfrequenzhandel: EU-Parlament will Blitzhändler an die Kette legen"

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  • Wie wär's mit einer Transaktionssteuer (gab es früher mal als Börsenumsatzsteuer) dann würde diese Zockerei aufhören, weil sie sich nicht lohnt.

  • Früher gab es Steuerfreiheit bei über einjähriger Haltefrist. Jetzt gibt es "nur noch" die Spekulationssteuer, um die man nicht mehr "herumkommt". Tolle Wurst. Bitte nicht wundern, falls Sie den Eindruck bekommen haben, dass die Börse deutlich volatiler erscheint. Der Hochfrequenzhandel gehört einfach verboten. Ich sehe keinen sittlichen Nährwert darin bis zu (oder sogar über?) 250 mal in der Sekunde Einzelwerte zu kaufen/verkaufen. Von der Politik erwarte ich konsequentes Handeln und darür Sorge zu tragen, dass endlich mal Anreize (bitte nicht schon wieder Subventionen)geschaffen werden, damit das Barvermögen der Bürger, welches derzeit sinnlos auf der "hohen Kante" rumliegt endlich in die Wirtschaft gepumpt wird, sprich man sorge für eine vernünftige Aktionkultur.

  • EU-Parlament will Blitzhändler an die Kette legen, wird nicht realisiert.

    Hier hilft nur ein Systemvirus der den Hochfrequenzhandel sämtlicher Börsenplätze weltweit auf 1 Minute herabbremst. Der Kauf und Verkauf von Aktien ist danach nur nach einer Verzögerungszeit von 1 Minute möglich. Damit sind die Chancen am Börsenhandel weltweit ausgeglichen. Wer kann solch ein Systemvirus schreiben und verteilen?

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