Interview mit Lars Hamich
VW-Aktie: „Eine drastische Lösung wäre besser“

Die VW-Aktie bringt den Markt durcheinander. Deshalb muss sie aus dem Dax entfernt werden - sagt ist Indexexperte Lars Hamich. Im Interview erklärt Hamich, dass die bisherigen Maßnahmen erstens zu spät kommen und zweitens nichts bringen.

Die Deutsche Börse hat sich entschlossen, das Gewicht der VW-Aktie im Dax ab dem kommenden Montag zu begrenzen. Ist das der richtige Schritt?

Kurzfristig gibt es eine Entspannung. Aber die Probleme werden über kurz oder lang wieder auftreten. Wer sagt denn, dass sich die Aktie am Montag nicht wieder im Wert verdoppelt? Die Indexanpassung allein reicht nicht aus, um den VW-Kurs in eine geordnete Bahn zu lenken. Deshalb wäre eine drastischere Lösung besser.

Wie könnte die aussehen?

Sauber wäre gewesen, die Aktie ganz aus dem Dax zu entfernen. Das hätte schon längst passieren können - etwa bei der letzten Indexumbildung im September. Es war abzusehen, dass die VW-Kurse nicht mehr den fairen Wert des Unternehmens widerspiegeln. Auch wenn keiner ahnen konnte, was in den letzten Tagen passiert ist.

Noch erfüllt VW die Kriterien für einen Verbleib im Dax.

Offiziell erfüllt VW alle Regeln, um in Index zu bleiben. Aber dadurch, dass Porsche die Kontrolle übernehmen möchte, ist eine besondere Situation entstanden. Wenn VW nicht mehr auf den Free-Float von fünf Prozent kommt, der für den Verbleib im Dax erforderlich ist, wird ein Austausch ohnehin notwendig.

Muss die Börse ihr Regelwerk überdenken?

Nein, die Regeln sind gut. Sie können allerdings nicht alle Eventualitäten abdecken. In besonderen Situationen sind Ausnahmen von der Norm im Regelwerk vorgesehen.

Würde es nicht ausreichen, die Aktie in extremen Phasen vom Handel auszusetzen?

In den letzten zwei Wochen haben wir in Russland gesehen, dass so etwas nichts bringt. Dort war der Handel mehrfach unterbrochen, in der Zeit verlagerte er sich auf andere Börsen. Wenn Leute handeln wollen, dann handeln sie.

Warum wäre es sinnvoll, die VW-Aktie aus dem Dax zu verbannen?

Wenn ein Wert ein solches Eigenleben führt und einen Index klar dominiert, ist ein Index nicht mehr aussagekräftig. Noch größer als im Dax ist das Problem in Branchenindizes. Wenn VW etwa 75 Prozent des Gewichts in einem europäischen Autoindex ausmacht, dann ist das nur noch ein VW-Index mit ein paar Nebengeräuschen dabei. Erst wenn diese Aktie nicht mehr dabei ist, wissen Investoren wieder woran sie sind.

Lars Hamich ist Managing Director beim US-Vermögensverwalter und Index-Anbieter Van Eck Global. Er entwickelt Indizes und auf ihnen basierende Fonds. In den vergangenen zwölf Jahren hat Hamich rund 1 500 Indizes entwickelt, erst für die Deutsche Börse, dann für Dow Jones Stoxx.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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