Interview mit Robert Shiller
„Aktien sind die schlechteste Wahl“

Der Finanzprofessor Robert Shiller ist skeptisch in Hinblick auf die Entwicklung von Aktien und Anleihen. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt Shiller, warum Gold das Zeug zur besten und gleichzeitig auch zur schlechtesten Anlage hat, wie sich Anleger vor der Inflation schützen können und warum er auf den Rat seiner Frau hört.
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Handelsblatt: Liegt das Schlimmste der Wirtschaftskrise hinter uns?

Robert Shiller: Wir stecken in der größten Finanzkrise seit der großen Depression. Rezessionen in Verbindung mit einer Bankenkrise waren laut einer Studie immer besonders schlimm. Liegt das Gröbste hinter uns? Wir sind da noch nicht durch. Banken verleihen noch nicht wieder Geld wie früher. Die Verbraucher konsumieren auch nicht so wie früher. Keiner weiß, wie man Vertrauen wiederherstellen kann. Auch der letzte miserable Arbeitsmarktbericht aus den USA gibt mir zu denken.

Sehen Sie noch andere wirtschaftliche Probleme?

Die staatlichen Stimulierungsprogramme können negative Folgen haben. Nehmen wir die Abwrackprämien in USA oder Deutschland: Das Jahr nach dem Auslaufen der Prämie sollte für die Autobranche sehr schwach werden.

Der Immobilienmarkt gilt als Ursprung der Krise. Wie ist dort heute die Lage?

Die US-Häuserpreise können einige Monate weiter steigen, werden anschließend aber wohl wieder nach unten abdrehen. Dann dürften auch die im Immobilienmarkt engagierten Banken neue Kapitalspritzen benötigen. Meine Prognose: In fünf Jahren liegen die Häuserpreise auf dem Niveau von heute.

Werden die Aktienkurse weiter steigen oder sind wir in einer Zwischenrally?

Shiller: Kann ich nicht sagen. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich mich in das Lager derer schlagen, die den scharfen Aufschwung seit März lediglich als Zwischenerholung deuten. Dieser Aufschwung hat Zeichen von spekulativem Interesse, wenn man die Psychologie ins Spiel bringen will. Meine Frau ist Psychologin, sie ist auch skeptisch. Auf der anderen Seite können solche Aufschwünge eine Zeitlang anhalten.

Hat sich bei den Staatsanleihen eine Blase gebildet?

Ich weiß wirklich nicht, warum sich Investoren nicht schon längst von langfristigen Anleihen verabschiedet haben - wegen der Inflationsgefahr. Sie sollten inflationsgebundene Bonds kaufen. Aber die Anleger denken zu wenig in realen Renditen. Zumindest aus historischer Sicht ist die Inflationsgefahr immer unterschätzt worden.

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  • unterm Strich legt sich Herr Shiller nirgends fest - jede Aussage wird relativiert ("kann ich nicht sagen; könnte; würde; aber"). Das interview ist weder Richtschnur noch Entscheidungshilfe - Herr Shiller stochert im Nebel, wie andere auch.

  • ich vermisse die Substanz in den Auassagen von Herrn Shiller. Eigentlich ist es nur eine Aneinanderreihung von Allgemeinplätzen. Und im Grunde genommen hat er keine Lösung anzubieten. Was unterscheidet eigentlich einen Spekulanten von einem langfristigen investor? beide verfolgen das Ziel eine Rendite für das eingesetzte Kapital zu erzielen. Der eine ist kurzfristig orientiert und am schnellen Erfolg interessiert. Der andere eher längerfristig und bereit während des Anlagezeitraumes auch Rückschläge in Kauf zu nehmen. beide sind sie aber davon überzeugt, dass ihre Wahl in diesem Moment die richtige ist. beises ist nicht verwerflich. Und wenn sowohl Spekulanten als auch langfristige investoren sich am Aktienmarkt die besseren Renditeaussichten versprechen, da Gold zu volatil ist und die Zinsen aufgrund der Wirstchaftslage längerfristig im Keller bleiben, so wird der Aufschwung an den Aktienmärkten zwangsläufig und ist weder spekulativ noch verwerflich. Er ist eine Folge des Faktischen.

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