Jeder Boom endet im Crash
Der Schwarze Freitag, der keiner war

Als Jungunternehmer in den zwanziger Jahren die amerikanische Wirtschaft neu definieren und eine „neue Ära“ ausrufen, ist die Keimzelle gelegt. Alle Zutaten für einen Aktienboom und Absturz sind bereitet. Jetzt müssen nur noch die Anleger ihr Übriges tun, um wie so oft in der Börsengeschichte der Euphorie einen Crash folgen zu lassen.

HB DÜSSELDORF. Radios und Autos sind der Verkaufsschlager. Niedrige Inflation, eine hohe Industrieproduktion, gemäßigte Zinsen und ein grenzenloser Fortschrittsglaube beherrschen das aufstrebende Amerika. Unternehmer straffen Produktionsabläufe, um die Gewinne zu steigern. Der ewige Aufschwung scheint endlich da zu sein.

Aufbruchstimmung, Euphorie und die Hoffnung, unerschlossene Geldquellen anzuzapfen, erfassen die Wall Street. Hier lässt sich mit der Spekulation auf die Zukunft am einfachsten für jedermann Geld verdienen. „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ – der Traum wird plötzlich wahr, ohne wirklich einen Teller waschen zu müssen.

Das Rezept für den schnellen Reichtum ist einfach: Kredit aufnehmen, Aktien kaufen, Gewinne kassieren und der Bank das Geld zurückbezahlen. Jeder macht mit und verdient daran. Tagesgeldzinsen steigen auf 20 Prozent, und noch immer sind die Margen gut.

Anfang Oktober 1929 haben Börsenmakler Kredite für sieben Milliarden Dollar ausgegeben. Mehr als zehn Prozent der Marktkapitalisierung an der Wall Street entstehen auf Pump. Die Verschuldung breiter Bevölkerungskreise ist so hoch wie nie zuvor. Dass die Kurse und damit Unternehmensbewertungen mit der Realität nichts mehr zu tun haben, stört niemanden, solange jeder Nachfolger einen höheren Preis bezahlt als sein Vorgänger.

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