Kauf-Research
Schwarze Schafe der Aktienanalyse

Banken müssen sparen und beobachten weniger Aktien: In die Lücke stößt bezahltes Research. Das aber hat oft einen zumindest zweifelhaften Ruf. Echte Experten werden zur Mangelware; gute Zeiten für Schwarze Schafe unter den Analysten. Wie Geldinstitute am Personal sparen - und damit den Ruf einer ganzen Branche ruinieren.
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FRANKFURT. Experten sorgen sich um die Qualität des Researchs für deutsche Aktien. Die Zahl der Analysen ist in diesem Jahr deutlich gesunken. Vor allem kleine Titel werden wenig oder gar nicht mehr beobachtet. Dass diese Lücken, die Banken wegen des Kostendrucks in die Krise reißen, teilweise durch Auftragsresearch gefüllt werden, bereitet Fachleuten Kopfschmerzen. "Dieser Trend ist gefährlich", sagt etwa Stuart McLean, Europachef des US-Analysehauses Starmine, das zum Finanzdatenanbieter Thomson Reuters gehört und die Qualität von Analystenarbeit bewertet. Einerseits "bekommen Investoren über kleinere Aktien kaum noch oder gar keine Analysen", moniert er. Andererseits nimmt seiner Ansicht nach die Gefahr zu, dass abhängiges Research die Qualität deutscher Aktienanalysen drückt und Schwarze Schafe unter den Analysten die ganze Branche in Verruf bringen.

Unabhängige Analysten sehen Geschäftschancen

"In diesem Jahr hat die Zahl der Analysen deutscher Aktie um rund sechs Prozent auf 3 534 abgenommen", sagt McLean mit Blick auf die eigene Datenbank, die 641 wichtige deutsche Aktien enthält. Gut die Hälfte der rund 1 200 Aktien am deutschen Markt werden demnach gar nicht gecovert, auf weitere knapp 200 Titel schaut nur ein Analyst. "Das trifft vorrangig kleine Aktien", sagt er. Knapp 1 000 Titel haben einen Börsenwert von weniger als 500 Mio. Euro. Um die 30 Standardaktien im Dax mit Marktkapitalisierung von mindestens 3,7 Mrd. Euro kümmern sich dagegen bis zu 40 Analysten je Titel.

Für den Trend zu weniger Aktienanalysen in Deutschland sieht Ralf Frank, Geschäftsführer des Berufsverbands von Analysten und Fondsmanagern DVFA, mehrere Gründe. Erstens bauten Banken international in der Krise Research ab, um Kosten zu sparen. Zweitens fokussierten sich Wertpapierhäuser immer stärker auf Aktien, die Investoren nachfragten und ihnen Umsatz brächten, sagt er. "Die Zeiten sind vorbei, in denen Aktien gecovert werden, weil sie in einem Index sind." Drittens gebe es extrem viele kleine Werte am deutschen Markt, die wenig gehandelt und damit auch kaum analysiert würden.

Deutsches Aktienresearch dürfte noch weiter abgebaut werden, erwartet Jürgen Pieper, Leiter Aktienresearch beim Bankhaus Metzler mit Blick auf entsprechende Ankündigungen der Landesbank Baden-Württemberg oder Sal. Oppenheim.

Bankunabhängige Analysehäuser erkennen hier Geschäftschancen. Diese Unabhängigen schreiben Analysen über Aktien für institutionelle Investoren wie Versicherungen, Fondsgesellschaften oder auch Banken, die kleinere Werte nicht mehr selbst beobachten. Ein kritischer Punkt ist für viele die Bezahlung dieser Analysten. Entweder erhalten die Investoren und Banken die Rechnung für die Studien oder aber die analysierte Aktiengesellschaft. "Viele Fonds wollen nicht für Research bezahlen", begründet ein unabhängiger Analyst, warum häufig am Ende die AG löhnt.

Auftragsrating steht in der Kritik

Zudem interessierten sich nur wenige Investoren für kleine, wenig liquide Werte, sagt Martin Bailey, Chef des Researchhauses First Berlin, das etwa für die DZ Bank einige Small Caps analysiert und dafür von der Bank bezahlt wird. "In der Krise hat das Interesse weiter abgenommen. Viele kleine Firmen haben daher keine andere Chance als über Auftragsresearch Investoren auf sich aufmerksam zu machen", sagt er. Umgekehrt gibt es für Anleger oft keine andere Möglichkeit, sich zu informieren, wie Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sagt. "Die Empfehlungen sind aber mit Vorsicht zu genießen."

"Das von Aktiengesellschaften bezahlte Research kann die Lücken zum Teil füllen", sagt Frank. Es gebe aber nicht so viele freie Analysten guter Qualität, schränkt er ein. Unter den Auftragsanalysen fänden sich solide und andere, sagt McLean. Wenn ein Researchhaus etwa mit weniger als zwei Analysten zwölf Aktien covere und für diese über 90 Prozent Kaufen-Urteile fälle, sehe das komisch aus, sagt er. "Bei von Unternehmen bezahltem Research besteht die Gefahr der Abhängigkeit, wenn die Analysten nicht integer sind", meint Bailey.

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  • > Eigeninteresse

    Na ja, überlegen Sie mal: Wenn jemand erst mal gratis und wirklich unabhängig den Aktienwert nach Rendite in diesem und der nach Produktionskapazität erwarteten in den folgenden Jahren bewertet, dann wird er ja bei allen Aktien zu dem Ergebnis kommen:

    GNADENLOS ÜbERbEWERTET (funny money).

    Wer sollte so eine Analyse bezahlen? Weder die banken noch die AGs selbst haben ein interesse an einer objektiven bewertung.

    Daher kann es keine wahren Analysten geben.

  • Hallo aufwachen!
    Analysten sind nie 'integer', sondern verfolgen stets ein massives Eigeninteresse. Gratis-Wohltaten gibt es in diesem Haifischbecken nicht.
    Absolut lächerlicher Artikel.

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