Keine Nachteile für Telekom-Aktionäre
Aktionärsschützer lehnen Telekom-Offerte ab

Das Angebot der Telekom an die Aktionäre von T-Online von 8,99 € je Anteilsschein ist aus Sicht mehrerer Börsenexperten unzureichend. Sie fordern eine Aufstockung des Angebots und raten Anteilseignern zum Abwarten. Die Telekom dagegen warnt, dass die Aktionäre im kommenden Jahr schlechtere Bedingungen zu erwarten hätten.

HB BONN. „Diese Offerte ist absolut inakzeptabel“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker. „Für die T-Online-Aktionäre kann die Devise nur lauten: Abwarten, bis die Telekom bei der geplanten Verschmelzung ein weiteres Angebot vorlegt! Die Erfahrung zeigt, dass Anleger, die zu früh agieren, Geld verschenken.“ Die Chancen seien sehr gut, dass die Telekom mehr zahlen müsse als 8,99 Euro je Aktie, sagte Hocker.

Auch der Börsen- und Bankexperte Wolfgang Gerke kritisierte das Angebot der Telekom als inakzeptabel. „Für viele Aktionäre entsteht der Eindruck, dass sie die Talsohle mitdurchschreiten mussten, der Weg nach oben ihnen aber verwehrt wird“, sagte der Inhaber des Lehrstuhls für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg der Tageszeitung „Die Welt“. Gerke forderte einen Aufschlag auf den aktuellen Börsenkurs von mindestens 20 %. Die Chancen stünden gut, dass spätestens Gerichte die Konditionen anzweifeln und das Angebot nachgebessert werden müsse.

Beim Börsengang vor vier Jahren hatte das Papier drei mal so viel gekostet wie die Telekom den Aktionären jetzt bietet: Erstzeichner der T-Online-Aktie hatten im Frühjahr 2000 noch 27 Euro je Aktie bezahlt. T-Online war in seinen vier Börsenjahren nicht nur wegen des deutlichen Kursverlustes kein lohnendes Investment für die Aktionäre: Eine Dividende hatte das Unternehmen wegen der hohen Anlaufverluste nie gezahlt. Immerhin hatte sich das Papier zuletzt wieder etwas von einem Kurstief bei 7,53 Euro Anfang August erholt. Ihre schlechteste Notierung war im Herbst 2001 mit 4,85 Euro. Der Höchstkurs lag auf dem Höhepunkt der Internet-Euphorie Mitte 2000 bei 48 Euro.

Die Telekom deutete an, bei dem Aktientausch im kommenden Jahr hätten die T-Online-Aktionäre schlechtere Bedingungen zu erwarten als beim jetzt vorgelegten Barangebot: Ein vorläufiges Gutachten zeige, dass das Umtauschverhältnis aus der Sicht der Internet-Tochter „unter der derzeitigen Marktpreisrelation liegen wird“, teilte die Telekom mit. Grund sei, dass die Telekom stärker unterbewertet sei als T-Online. Das genaue Umtauschverhältnis soll im Januar vorliegen und muss von einem gerichtlich bestellten Verschmelzungsprüfer auf seine Angemessenheit geprüft werden. Die Unterlagen zum freiwilligen Kaufangebot könnten bereits im November veröffentlicht werden.

Für die Telekom-Aktionäre sollen die Pläne keine Nachteile bringen. Die Deutsche Telekom wolle weiterhin eine „attraktive Dividende“ für das Geschäftsjahr 2004 im kommenden Jahr zahlen, betonte Kai-Uwe Ricke. Mit der neuen Geschäftseinheit Breitband/Festnetz wirke der Bonner Konzern auch den Rückgängen im Markt der Sprachtelefonie entgegen. T-Online hatte sich im wachsenden Markt für das Telefonieren über das Internet aus Rücksicht auf die Festnetzsparte zurückhalten müssen.

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