Kongress-Ausschuss entscheidet am 16. Oktober
Widerstand gegen Eurex-Pläne in USA

Amerikas Terminbörsen sind offenbar nervös geworden. Mit aller Macht versuchen sie, den Eintritt des weltgrößten Konkurrenten Eurex am US-Markt zu verhindern. Bekanntlich will die weltgrößte Terminbörse am 2. Februar 2004 mit einer eigenen Börse in Chicago starten.

FRANKFURT/M. Noch vor wenigen Wochen hatten die US-Terminbörsen erklärt, sich dem Wettbewerb stellen zu wollen. Jetzt fahren das Chicago Board of Trade (CBOT) und die Chicago Mercantile Exchange (CME) jedoch härtere Geschütze auf und intervenieren bei den US-Behörden gegen den geplanten Start von „Eurex US“. CBOT-Vorstand Bernhard Dan bestätigte gegenüber dem Handelsblatt seine ablehnende Haltung.

Eurex-Vorstandschef Rudolf Ferscha hatte vor kurzem noch abgewiegelt, als dem Handelsblatt konkrete Hinweise auf einen sich in den USA aufbauenden Widerstand gegen die Eurex-Pläne vorlagen. Jetzt haben sich die Dinge jedoch zugespitzt. „Es geht in die Endrunde – die Entscheidung liegt beim US-Kongress“, verlautet aus Eurex-Kreisen. Ein Unterausschuss des Repräsentantenhauses wird im Rahmen einer Anhörung am 16. Oktober über den von der Eurex bei der Aufsichtsbehörde CFTC eingereichten Antrag zur Gründung einer US-Börse entscheiden. Dieses Vorgehen wird von Fachleuten in Chicago als „außergewöhnlich“ bezeichnet. Dass dieser Fall auf eine so hohe politische Bühne getragen wird, zeige die Gefahr, die US-Terminbörsen im erfolgreichen Eurex-Geschäftsmodell für ihr eigenes Geschäft und möglicherweise für ihre Existenz sehen.

Der Ausgang der Anhörung sei offen, hieß es in Chicago. Denkbar sei sowohl die uneingeschränkte oder an Bedingungen geknüpfte Genehmigung als auch die Ablehnung. Der Unterausschuss besteht aus 30 Kongressmitgliedern, die überwiegend aus der Agrarregion des Mittleren Westens der USA stammen. Bekanntlich verfügen die beiden genannten Börsen auf dieser politischen Ebene über sehr enge Bande. Man sei auf alles gefasst, hieß es von deutscher Seite in Chicago. „Gegen politische Interessen hat die ökonomische Vernunft manchmal keine Chance“, wurde ergänzt.

Sollte die Eurex durch das Verbot der Gründung einer eigenen US- Börse ausgebremst werden, hätte sie die Option, sich an existierenden Börsen zu beteiligen oder Börsen zu übernehmen, um so eine Börsenlizenz zu erhalten. Die Aufsichtsbehörden könnten dies jedoch als eine Umgehung eines ausgesprochenen Verbots interpretieren und verbieten. Bei einer Ablehnung des Eurex- Antrags ist nicht auszuschließen, dass die Deutsche Börse AG als Mutter der Eurex diplomatische Kanäle nutzen wird, um die Angelegenheit auf Regierungsebene zu lösen.

Nachdem sich das Geschäftsmodell der Eurex als überlegen erwiesen hatte, bauten CBOT und CME zuletzt zwei Fronten gegen die Eurex auf. Zum einen zeigten Vertreter beider Börsen Mitte Juni vor dem Repräsentantenhaus in Washington die Gefahren auf, die ein Eintritt der Eurex als erste Auslandsbörse in den USA mit sich bringen könnte. Dabei wurden vor allem aufsichtsrechtliche Bedenken geäußert. Die US-Aufsichtsbehörde könnte in Notfällen eventuell ihrer Kontrollfunktion nicht mehr gerecht werden, weil die Börse in ausländischem Besitz sei. Zudem bestehe die Gefahr, dass die Eurex am Heimatmarkt erzielte Gewinne zur Subvention ihres US-Geschäfts einsetze und so ungleiche Wettbewerbsverhältnisse bestünden.

Darüber hinaus hat das CBOT zuletzt versucht, die Anteilseigner der Clearing Corporation davon abzuhalten, der geplanten Kapitalbeteiligung der Eurex an diesem Abwicklungsdienstleister zuzustimmen. Sollten sich die Mitglieder der Clearing Corp. gegen eine Beteiligung der Eurex entscheiden, sei die Gefahr der Liquidation des Clearingunternehmens gegeben, warnt deren Vorstandschef Dennis Dutterer.

Die Clearing Corp. hatte zuletzt eine Übernahmeofferte des CBOT abgelehnt und einen Vertrag mit der Eurex abgeschlossen. Die Mitglieder der Clearing Corp. werden am 23. Oktober über eine geplante 15-Prozent-Beteiligung der Eurex abstimmen. Bei der Abstimmung geht es nicht um den mit der Eurex abgeschlossenen Clearingvertrag, sondern nur um die Frage der Kapitalstruktur. Rudolf Ferscha und Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth hatten Chicagos Bürgermeister Richard M. Daly zuletzt einen Antrittsbesuch abgestattet und dabei auch den Aspekt der Schaffung von Arbeitsplätzen durch die „Eurex US“ betont.

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