Konjunktur
Warum die Kurse in der Rezession steigen

Wegbrechende Gewinne, geringe Nachfrage – eigentlich ein Garant für einen Schwächeanfall an der Börse. Doch weit gefehlt. Der Aktienkurs des Düngemittelspezialisten K+S, der am Donnerstag seine Halbjahreszahlen vorlegte, brach nicht ein, sondern legte zu. Grund: Anleger lassen sich nicht mehr schrecken.

DÜSSELDORF. Wer die Aktie jetzt noch hält, lässt sich nicht mehr schrecken. Verkäufer sind deshalb rar. Dasselbe gilt für den Deutschen Aktienindex (Dax) und andere große Börsenindizes. Die Kurse steigen nicht trotz, sondern wegen der Rezession. So war es bereits in allen Rezessionsjahren der letzten fünf Jahrzehnte. Jedes Mal legte der Dax prozentual zweistellig zu, diesmal könnte es ähnlich sein.

Als der Dax im März bis auf 3 589 Punkte fiel, drohte dem weltweiten Finanzsystem der Kollaps. Zugleich fiel die Realwirtschaft in eine tiefe Rezession. Anleger waren so pessimistisch wie zuletzt in den angsterfüllten Wochen vor dem Irakkrieg 2003, als der Dax bis auf 2 188 Punkte absackte. Dennoch stiegen die Kurse damals wie heute plötzlich wieder, obwohl sich die Nachrichten nicht besserten.

Entscheidend für steigende oder fallende Kurse sind letztlich auch gar nicht Aufträge, Umsätze, Gewinne und Margen der dahinterstehenden Unternehmen, sondern allein Angebot und Nachfrage. Gibt es mehr Interessenten als Verkaufswillige, legen die Aktien zu. Zwar setzten in den Märzwochen nur wenige Mutige auf eine wirtschaftliche Erholung. Doch geringe Umsätze reichten aus, um die Kurse zu treiben. Denn es gab noch weniger Anleger, die angesichts monatelanger Horror- und Abschwungsszenarien noch nicht verkauft hatten.

Ein Börsenaufschwung wie im frühen Frühjahr erschöpft sich üblicherweise schnell, wenn nicht Signale einer ökonomischen Erholung folgen. Und die ließen nicht lange auf sich warten: Stimmungsindikatoren wie der ZEW-Index und das Verbrauchervertrauen legten seit dem Frühjahr zu. Deshalb stiegen die Kurse.

Entpuppen sich die Erwartungen jedoch als Blase, knicken gewöhnlich auch die Börsen wieder ein. Doch diesmal folgte die Realwirtschaft rasch den Hoffnungen: Nach dem Einbruch in den ersten drei Monaten legte das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal wieder zu. Jetzt fehlen noch die Unternehmen. Bislang präsentieren sie keine steigenden Gewinne. Doch die Mehrheit der Anleger erwartet, dass die Gewinne künftig wieder zulegen. Deshalb gibt es mehr Kauf- als Verkaufswillige. Und die Kurse steigen weiter. som

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