Konjunktursorgen
Dax-Ausblick: Anleger bleiben nervös

Verwundert reiben sich Anleger die Augen: Nach Wochen des Schreckens steigen die Kurse im Dax plötzlich zweistellig. Die Woche schließt nach einer mehrtägigen regelrechten Rally. Optimisten sehen weitere Kursanstiege in der kommenden Woche, Skeptiker erwarten starke Schwankungen. Über allem schwebt das Damoklesschwert der Rezession.

HB FRANKFURT. Am deutschen Aktienmarkt kehrt in der neuen Woche voraussichtlich noch keine vorweihnachtliche Ruhe ein. Neben wichtigen Konjunkturdaten erwarten Börsianer deutliche Zinssenkungen und schwache Arbeitsmarktdaten aus den USA. In Deutschland dürfte der Aktienindex Dax selbst im Fokus des Interesses stehen: Eine neue Zusammensetzung steht an. Heftige Kursverluste sind nach Einschätzung von Beobachtern nicht zwingend zu erwarten. „Uns steht wohl keine sehr freundliche Woche bevor, aber ich rechne nicht damit, dass es noch einmal deutlich nach unten gehen wird“, sagt zum Beispiel Kapitalmarkt-Analyst Dennis Nacken von Allianz Global Investors (AGI).

Am Freitag schloss der Dax bei rund 4 670 Punkten und schaffte damit ein zweistelliges Plus gegenüber der Vorwoche.Auf Jahressicht fällt die Bilanz aber weiter äußerst schwach aus: 42 Prozent hat der Dax seit Januar verloren. Allein im November fiel er um über sieben Prozent und verbuchte damit den vierten Monat in Folge Kursverluste.

Zumindest auf kurze Sicht erstaunt indes die Erholungsrally der zurückliegenden Tage. In atemberaubendem Tempo eroberte der deutsche Leitindex die Marke von 4 500 Punkten zurück. Die Impulse dafür kamen – wie sollte es in diesen Tagen der US-zentrierten Kreditkrise auch anders sein – einmal mehr von der Wall Street. Dort fassten sich die Anleger kurzfristig ein Herz und rissen den S&P-Index aus seinen charttechnischen Tiefen.

Verschiedene Faktoren bewirkten den Stimmungsumschwung, zum Beispiel der 300 Mrd Dollar breite Rettungsschirm der US-Regierung für die angeschlagene Citigroup. Positiv werten Marktbeobachter auch, dass der kommende US-Präsident Barack Obama zügig sein Wirtschaftsteam unter einem zukünftigen Finanzminister Timothy Geithner nominiert hat. Obama kündigte auch weitere massive Konjunkturpakete an, ferner wurde ein 800 Mrd Dollar schweres Hilfsprogramm aufgelegt.

All das förderte die Kauflaune an der Börse. Mit dem Hilfsprogramm sollen die nach wie vor nicht funktionierenden Kreditmärkte in Gang gesetzt werden. Damit hat die US-Regierung einmal mehr klar gemacht, dass sie alles in ihrer Macht Stehende tun wird, um die Krise zu überwinden.

Ob die Maßnahmen in den illiquiden Marktsegmenten eine Entspannung bewirken, werden erst die kommenden Wochen zeigen. Spannend bleibt auch die Frage, wie tief und wie lange die Wirtschaftsflaute die Märkte lähmen wird. Weberbank-Experte Sirko Möllmann fasst die Spanne der Marktmeinungen so zusammen: „Optimisten erwarten eine kurze aber tiefe Rezession, ihre Argumente sind die stark fallenden Rohstoffpreise, die Niedrigzinspolitik der Notenbanken und die Bereitschaft der Politiker, auch unpopuläre Maßnahmen quasi über Nacht umzusetzen. Das Lager der Skeptiker meint, dass die Konjunkturpakete zu spät kommen, die Refinanzierungsbasis der Unternehmen wegbricht und uns ein langer, schmerzlicher Anpassungsprozeß bevorsteht.“ Fazit des Marktbeobachters: „Die Wahrheit wird wahrscheinlich in der Mitte liegen und weiter für hohe Volatilität an den Kapitalmärkten sorgen.“

Für die Erwartungen weist der aktuelle Ifo-Index mit Blick auf Europa ein Allzeittief aus. Die Marktbeobachter von Goldman Sachs gehen nun davon aus, dass dem Kontinent die heftigste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg droht. Die Analysten haben daraufhin kurzerhand die Schätzungen für das Wirtschaftswachstum in Deutschland 2009 auf minus 1,4 Prozent von zuvor minus 0,5 Prozent angepasst. Die Experten der Landesbank Berlin nehmen an, dass die Wirtschaftleistung sogar um 1,8 Prozent schrumpfen wird. Weitere Revisionen dürften folgen.

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