Kooperation mit Banken
Börse Stuttgart expandiert

In der Wirtschaft sind Übernahmen und Kooperationen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit an der Tagesordnung. Nun sieht sich die Börse Stuttgart nach strategischen Partnern im europäischen Ausland um. Größter Konkurrent der Schwaben bleibt die Frankfurter Börse.

STUTTGART. Die Börse Stuttgart will mit dem Zertifikatehandel über die schwäbische Provinz hinauswachsen und geht außerhalb Deutschlands auf Kundenfang. „Wir wollen Frankreich, die Schweiz und Tschechien in den Fokus nehmen und die führenden Privatanlegerbörse in Europa werden“, sagte Thomas Munz, Chef des Stuttgarter Börsenvereins. Durch Kooperationen mit Onlinebrokern und Banken sollen die Kunden dieser Partner animiert werden, an der zweitgrößten deutschen Börse Zertifikate und Optionsscheine zu handeln. Man stehe mit Instituten in Kontakt, aber abschlussreife Verträge gebe es nicht, sagte Munz, der die Vereinigung Stuttgarter Banken führt, der die Börse gehört. Kapitalbeteiligungen der Partner an der Börse Stuttgart schloss Munz nicht aus.

Die Börse Stuttgart kann sich seit Jahren als Nummer Eins im boomenden Handel mit Zertifikaten gegen den insgesamt übermächtigen Frankfurter Marktführer Deutsche Börse behaupten. Das fast ausschließlich auf deutsche Privatanleger konzentrierte Geschäftsmodell der Schwaben kommt aber zunehmend unter Druck. So baut Frankfurt gemeinsam mit der Börse Zürich (SWX) an einer internationalen Zertifikatebörse mit Namen Alex. Munz bezeichnete die europäische Expansion für die Schwaben als „überlebenswichtig.“ Für Kooperationen mit anderen Börsen zeigte er sich offen, machte aber deutlich, dass dies derzeit nicht oberste Priorität habe.

Um für die Europaexpansion gerüstet zu sein, setzt Stuttgart auf die Expertise ehemaliger Frankfurter Manager. Der ehemalige Frankfurter Terminmarktspezialist Ralph Danielski wird Chef des zum Stuttgarter Börsenkonglomerat gehörenden Brokers Euwax AG. Sein Vorgänger Harald Schnabel rückt in den Vorstand der Stuttgarter Börse auf. Danielski hatte die Deutsche Börse vor wenigen Monaten verlassen, nachdem der neue Terminmarktchef dort, Andreas Preuß, eine Reihe von Managementfunktionen mit eigenen Vertrauten besetzt hatte.

Mit einem Beherrschungsvertrag will die Börse Stuttgart die Euwax AG, an der sie bereits 75 Prozent hält, noch enger an sich binden. Dadurch sollen die Gewinne der profitablen Euwax direkt der von Munz geführten Gruppe zur Verfügung stehen. Außerdem könnten möglichen Partnern in Zukunft Beteiligungen angeboten werden. Die freien Aktionären, darunter die Gründer Schnabel und Hans-Peter Bruker, bekommen ein Abfindungsangebot von 40,82 Euro. Bruker und Schnabel erhalten so für ihre Anteile rund 15 Mill. Euro beziehungsweise drei Mill. Euro.

Die internationale Zertifikatebörse Alex und die Stuttgarter Börse setzen darauf, dass Zertifikate und Optionsscheine im Ausland bald einen ähnlichen Boom erleben wie hierzulande. 2006 wuchs der Markt in Deutschland um rund ein Drittel auf 120 Mrd. Euro. Während Frankfurt den Banken in Europa das weltweite Handelssystem Xetra zum Anschluss an Alex anbieten kann, muss Stuttgart mögliche Partner zum Anschluss an das Parketthandelssystem der deutschen Regionalbörsen bewegen. Bislang haben es die Stuttgarter aber verstanden, Nachteile wie diesen im Kampf mit Frankfurt durch Innovationen und besonderen Service im Handel wettzumachen.

Elektronischer Handel in Stuttgart

Zertifikate: Seit Jahresanfang werden Zertifikate und Optionsscheine nicht mehr nach dem alten Parkettsystem gehandelt, sondern mit einer elektronischen Kursfeststellung. Das zeitweise bei Banken umstrittene Modell - allein der börseneigene Broker Euwax betreut den Handel - hat der Börse zufolge mittlerweile deren Zustimmung gefunden.

Aktien: Auch deutsche Aktien, Renten und Fonds sollen ab dem 1. Juli nach diesem System gehandelt werden. Die für Stuttgart wichtigen Aus-landsaktien könnten als letzte Wertpapiergruppe noch dieses Jahr folgen.Hier soll der Broker Baader die Betreuung übernehmen.

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