London Stock Exchange fährt mit Vorstoß in Amsterdam einen aggressiven Kurs
Kampf zwischen Börsen entbrannt

Manche Siege schmecken bitter. So brachte die Londoner Börse (London Stock Exchange, LSE) den Konkurrenten Euronext zuletzt arg ins Schwitzen, als sie ein Angebot niederländischer Aktien im Amsterdam für Ende Mai ankündigte.

LONDON. Die LSE setzte die Vierländerbörse damit auf einem ihrer Kernmärkte unter Druck, und die vom bisherigen Monopolisten Euronext offenbar nur schlecht betreuten (kleineren) Broker freuten sich.

Die Folgen des frischen Wettbewerbs blieben nicht aus. Nach sprachlosen Wochen reduzierte die Euronext die Preise in Amsterdam um bis zu 30 Prozent. Beobachter gehen davon aus, dass die Euronext dadurch fünf bis acht Millionen Euro oder ein Prozent ihres Gesamtumsatzes einbüßt. Dennoch, und das ist der für die LSE traurige Teil der Geschichte, bleibt den Londonern damit wohl der Durchbruch in Amsterdam verwehrt. Der in den Niederlanden angepeilte Marktanteil von zwei Fünfteln des Handelsvolumens jedenfalls rückt in weite Ferne. „Die ohnehin schon geringe Wahrscheinlichkeit dafür ist noch weiter gesunken“, sagt etwa Joanna Nader, Analystin bei Lehman Brothers. Und das ist keineswegs eine Einzelmeinung in der Londoner City.

Doch die Londoner Erfahrung könnte sich schon bald wiederholen. Denn das Spiel zwischen den europäischen Börsenplätzen ist neu eröffnet. Die Investmentbank Merrill Lynch malt schon jetzt eine „deutlich härtere Konkurrenz“ zwischen den Plätzen an die Wand. Es bestehe das Risiko, dass sich auch andere Kassa- märkte und Börsengeschäfte von der neuen Konkurrenz anstecken lassen. Auch wenn der Markt in Amsterdam wegen der deutlichen Unzufriedenheit seiner Kunden verwundbarer ist als andere europäische Märkte. Auch wenn ein Einstieg etwa in Deutschland wegen der dortigen Silostruktur (Handel, Abwicklung und Abrechnung unter einem Dach) kurzfristig kaum wahrscheinlich erscheint.

Dennoch schaffte die Londoner Börse mit ihrem Vorstoß in den Niederlanden eine Art Initialzündung. Analysten gehen davon aus, dass der Druck auf die Euronext bald auch an den übrigen Standorten in Lissabon, Brüssel und Paris steigt. Ein Börsenkenner einer US-Bank in London glaubt, dass die Rufe „bis Ende des Jahres lauter werden“. Die Kunden dort werden sich mittelfristig fragen, warum die Preisreduzierungen nur auf einen Börsenplatz beschränkt bleiben sollten. Auch die Deutsche Börse könnte versucht sein, ihre Gebührenstruktur bald zu verändern, glaubt Joanna Nader von Lehman. Ihrer Ansicht nach dürfte Frankfurt allerdings eher einen Mengenrabatt einführen, um das Volumen zu erhöhen.

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