Mailänder Börse führt beim Technologiemarkt neues Qualitätssegment ein
Italiens Nuovo Mercato ringt um Vertrauen der Anleger

Die Betreibergesellschaft der Mailänder Börse, Borsa Italiana, will verloren gegangenes Vertrauen in ihr Wachstumssegment Nuovo Mercato wiederherstellen. Bei einer Präsentation der 42 im Technologiemarkt gelisteten Unternehmen kündigte Börsenchef Massimo Capuano die Bildung eines speziellen Sub-Segmentes an, in das nur Unternehmen mit bestimmten Qualitätskriterien aufgenommen werden.

MAILAND. Neben einer höheren Transparenz erhofft sich Capuano hierdurch eine stärkere Beachtung des Nuovo Mercato durch institutionelle Investoren, wie Fondsgesellschaften, die dem Segment fast vollständig den Rücken gekehrt haben. Capuano stellte aber klar, dass die Börse den Unternehmen keine Noten vergeben, sondern lediglich ein Bündel bestimmter Aktien mit ähnlichen Charakteristika schaffen will.

Die Bemühungen der Borsa Italiana sind wohlbegründet. Denn trotz einer positiven Performance des Numtel-Indexes von Plus 19 % in den letzten drei Monaten und 50 % seit März kämpft der Nuovo Mercato mit einer Vertrauenskrise. Von den Höchstständen im März 2000 sind die Kurse 92 % entfernt. Lediglich die Aktien von vier Unternehmen – Finmatica, Tiscali, Poligrafica San Faustino und Esprinet – liegen über ihren Emissionskursen. Alle übrigen 38 Titel haben seit ihren Börsengängen Verluste hinnehmen müssen. Bei zwei Drittel der Unternehmen liegen die Kursverluste bei über 50 %. Die jüngste Insolvenz von Opengate – einem Computerhändler, der 1999 als erster Titel am Nuovo Mercato gelistet wurde – hat ebenso wie die drohende Pleite der Fluggesellschaft Gandalf das Vertrauen der Investoren weiter geschwächt.

Dennoch hält die Borsa Italiana, anders als die Deutsche Börse, an ihrem Wachstumssegment fest. Nach der Abwicklung des Neuen Marktes in diesem Sommer ist der Nuovo Mercato nun mit einer Gesamtkapitalisierung von rund 10 Mrd. Euro vor dem Nouveau Marché in Paris der größte verbliebene „High-Growth-Market“ in Europa. Angesichts ermutigender Zwischenberichte der Gesellschaften hofft Capuano, dass die derzeit Blue-Chip-orientierten Anleger künftig die Technologietitel wieder stärker beachten.

Gegenüber dem ersten Halbjahr 2002 ist der Umsatz der am Nuovo Mercato notierten Unternehmen laut Borsa Italiana um 11 % gestiegen, der Gewinn vor Steuern Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) ist um 630 % in die Höhe geschnellt. Zu beachten ist hierbei aber, dass der Löwenanteil dieser Ergebnisverbesserungen auf die beiden Schwergewichte des Segmentes entfallen, den Telekommunikationsdienstleister E-Biscom und den Internet-Provider Tiscali. Auch ist die Steigerung der Kapitalisierung des Nuovo Mercato in den letzten 12 Monaten zu mehr als 50 % den Kurssteigerungen von E-Biscom zuzuschreiben. Der Titel ist jetzt mit 2,4 Mrd. Euro (+135 % im letzten Jahr) vor Tiscali mit 2,1 Mrd. Euro (+25 % im letzten Jahr) der schwerste Titel des Segments. Dieselbe „Monopolisierung“ der großen Drei, zu denen auch die Schweizer BB Biotech gehört, ist bei den Umsätzen festzustellen: Knapp die Hälfte des täglichen Handelsvolumens entfällt auf Tiscali. Kein Wunder also, dass die Analysten des Brokerhauses Intermonte den Rat geben: „Selektion bleibt das wichtigste Kriterium für die Orientierung am Nuovo Mercato.“

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