Mehr Transparenz
Börse Wien verschärft die Regeln

Die Wiener Börse zieht die Konsequenz aus dem Skandal um eine börsennotierte Tochtergesellschaft der Meinl-Bank und verschärft die Börsenregeln.

WIEN. Was genau sich ändern soll, lege derzeit eine Arbeitsgruppe fest, die der Börsenvorstand ins Leben gerufen hat, sagte Michael Buhl, Co-Vorstand der Wiener Börse dem Handelsblatt (Dienstagsausgabe). Mögliches Ergebnis: Im Aktienrecht wird ein Schlupfloch geschlossen, das Unternehmen wie der fragliche Meinl-Tochter Meinl European Land (MEL) bislang einen laschen Umgang mit Transparenz-Vorschriften ermöglicht. "Es gibt Überlegungen zu Änderungen bei den Bedingungen für den Prime-Market, ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten", sagte Buhl.

Konkret geht es um folgendes: MEL war im vergangenen Monat von der Finanzmarktaufsicht zu einer Geldbuße verurteilt worden, weil das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm nicht rechtzeitig angekündigt hatte. Die Affäre zog auch die Meinl-Privatbank in Mitleidenschaft, bei der die Finanzmarktkontrolleure seither ebenfalls tätig sind. An der Börse führten die aufgedeckten Unregelmäßigkeiten dazu, dass sich MEL, die bislang im Prime Market der Börse gehandelt werden, bis Ende dieser Woche zwangsweise aus diesem Marktsegment verabschieden muss, das die Einhaltung strenger Transparenzvorschriften verlangt.

Als Gesellschaft, die im steuergünstigen Jersey ihren Sitz hat, hat MEL allerdings formal möglicherweise gar nicht gegen Transparenzvorschriften verstoßen, weil etwa das Thema Meldepflichten nach jenem Aktienrecht behandelt wird, das im Herkunftsland des Unternehmens gilt - in diesem Fall eben Jersey. Die Börse will das nun ändern und auch bei den Meldepflichten österreichisches Recht zwingend vorschreiben. Buhl warnt allerdings intern davor, bei Verschärfungen der Vorschriften, nicht übers Ziel hinauszuschießen: "Wir wollen Emittenten nicht verschrecken, eine Börsennotierung in Wien anzustreben."

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