Milliardär macht Kasse
Wird Buffett zum Spekulanten?

Der Milliardär Warren Buffett ist bekannt dafür, dass er seine Aktien jahrelang behält. Doch entgegen sonstiger Gewohnheiten hat er diesmal schnell verkauft. Wird er seinem Stil untreu?
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Ganz entgegen den eigenen Gepflogenheiten hat Multimilliardär Warren Buffett Aktien von Intel bereits nach weniger als einem Jahr wieder verkauft. Dabei fiel allerdings ein satter Gewinn für seine Holding Berkshire Hathaway an - was wieder voll dem Stil der Investorenlegende aus Omaha in Nebraska entspricht.

Die Berkshire-Tochter Geico hatte in der zweiten Jahreshälfte 2011 insgesamt 11,5 Millionen Aktien des Chipherstellers mit Sitz im kalifornischen Santa Clara zum Durchschnittspreis von etwa 22 Dollar je Stück gekauft. Das geht aus Daten der National Association of Insurance Commissioners hervor, die von Bloomberg aufbereitet wurden. Verkauft hat Berkshire diese Position bis zum 8. Mai dieses Jahres, wobei ein Durchschnittspreis von 27,75 Dollar je Aktie erzielt wurde. Dabei sprang ein Gewinn von rund 60 Millionen Dollar heraus.

Diese Haltedauer ist ungewöhnlich kurz für die Investmentholding Berkshire, der Buffett durch gezielte Akquisitionen sowie den Aufbau von Beteiligungen an Großunternehmen wie American Express zu ihrer Bedeutung und einem Aktienportfolio im Wert von 86,2 Milliarden Dollar verhalf. Wichtige Investments, etwa an Coca-Cola und der Großbank Wells Fargo, hält Berkshire seit mehr als zehn Jahren.

Buffett hatte zuletzt mehr Verantwortung für die Investmententscheidungen an seine Manager Ted Weschler und Todd Combs abgegeben, was als Teil seiner Nachfolgeregelung gilt. Seine angestellten Manager sind demnach für die kleineren Positionen verantwortlich, während Buffett selbst sich persönlich um die großen Beteiligungen kümmert.

„Warren hatte eigentlich schon immer einen opportunistischen Ansatz, wenn es um Arbitragegewinne ging, und die neuen Investmentmanager teilen das in gewissem Umfang”, stellte Tom Russo vom Berkshire-Investor Gardner Russo & Gardner fest. Bei der Intel-Transaktion handele es sich um den „alten, eher traditionellen“ Stil der Substanzwert-Investments, bei dem Aktien günstig gekauft und bei erreichtem Kursziel mit Gewinn abgestoßen werden, erläuterte er.

Und der Zeitpunkt für diesen Verkauf war tatsächlich bestens gewählt. Mit Liquidierung der vollen Position am 8. Mai konnte Berkshire den Kursrückgang der Intel-Aktie von 15 Prozent in den vergangenen vier Monaten umgehen. Am 7. September hatte Intel die eigene Absatzprognose für das dritte Quartal gesenkt und das mit sinkender Nachfrage begründet.

Noch im Februar hatte Buffett erklärt, dass große Aktienpakete an “erstklassigen Unternehmen” langfristig bessere Investmentergebnisse lieferten als Anleihen oder Gold, die gemeinhin als „sicher“ gelten.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Milliardär macht Kasse: Wird Buffett zum Spekulanten?"

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  • Buffet sollte einmal das Handelsblatt (15.9.12) lesen und seine Meinung zu Edelmetallen und Aktien relativieren:

    10 jähriger Wertzuwachs bei:

    DAX-Papiere: 88%
    Gold: 314%
    Silber: 428%

    Da muß dem Starinvestor etwas entgangen sein,
    oder wird er langsam alt?

  • Einmal SPEKULANT immer SPEKULANT! Schon immer SPEKULANT!

    Investor ist nur eine vornehme Umschreibung!
    Das Ziel ist Geld, mehr Geld! Noch mehr Geld!

    Sonst nichts! Schon gar nichts für den Rest, vielleicht ein Feigenblatt gelegentlich, man is ja nicht so!

    Wer und was auf der Strecke bleibt zählt nicht.
    Werte, Moral etc. ist was für die "Arbeiter-Klasse"!

    Die, die die Werte Erschaffen sind nur Kostenstellen!

    Wie schön wäre es doch die Welt wäre in "Kasten" eingeteilt, eine Aufklärung hätte es nie gegeben, soziale Umbrüche auch nicht. Aber irgendwie kommen die Kasten wieder. Ihre Oberkasten-Beherrscher waren nie verschwunden.
    Eben mal weg zum Geldzählen - mehr nicht!

  • Sogar der alte Fuchs Buffett hat begriffen, dass der Totentanz an den Börsen bereits hoffnungslos weitergeht. Die Zentralbanken der Welt drucken und wer einen klaren Kopf hat steigt jetzt endlich nach diesem billigen Strohfeuer aus. Die Totengräber Draghi, Asmussen, Blankfein/Goldman, werden ihre Aufgaben vollenden, nur noch gnadenlose Optimisten sehen hier keine Gefahr!

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