New York Stock Exchange
Der Herr der Händler

Die Konkurrenz aus dem eigenen Land fürchtet John Thain, Chef der New York Stock Exchange (Nyse), nicht. Lieber denkt er über seine nächsten Züge im globalen Börsen-Monopoly nach: Die Börse in Tokio soll bereits ihr Interesse bekundet haben, zu Nyse-Euronext zu stoßen,

NEW YORK. Das ist ein Tag ganz nach dem Geschmack von John Thain. Zufrieden steht der Chef der New York Stock Exchange (Nyse) inmitten aufgeregter Händler auf dem Parkett der New Yorker Börse. Um ihn herum herrscht Hochspannung. Gleich wird die erste Notierung für Qimonda festgelegt. Die Händler drängen mit ihren elektronischen Orderbüchern an die Bildschirme. Als „13,50 Dollar“ aufleuchtet, brandet Beifall auf – der erste Kurs des deutschen Chipbauers liegt 50 Cent über dem Ausgabekurs.

Thain lächelt, er kennt die ansteckende Hektik auf dem Parkett. Dennoch ist es heute ein besonderer Tag. Qimonda ist der erste Börsengang eines deutschen Unternehmens in New York seit vier Jahren. „Der Markt startet höher, Qimonda hat zugelegt. Das ist ein guter Morgen“, sagt der 51-jährige Börsenchef. Seit etwas mehr als zwei Jahren steuert Thain den größten Finanzmarktplatz der Welt. Der frühere Investmentbanker von Goldman Sachs hat seitdem keinen Stein der 214 Jahre alten Institution auf dem anderen gelassen: erst der Zusammenschluss mit dem elektronischen Handelssystem Archipelago, dann der Börsengang und jetzt die geplante Fusion mit der Pariser Börse Euronext.

„Der Konsolidierungsdruck steigt. Die Kapitalmärkte rücken weltweit zusammen, und die Börsen folgen diesem Trend“, sagt Thain, „ich rechne damit, dass nur eine Hand voll globaler Marktplätze übrig bleiben wird.“ Darunter werde es weiterhin viele lokale Börsen geben. Dass er mit der Nyse in der ersten Liga spielen will, daran lässt der jugendlich wirkende Manager keinen Zweifel. Den Zusammenschluss mit Euronext hat er innerlich schon abgehakt – obwohl die Aktionäre noch zustimmen müssen und die Deutsche Börse in Frankfurt sich noch immer Hoffnungen macht, die transatlantischen Pläne der New Yorker zu durchkreuzen. „Wir laden die Deutsche Börse ein, sich mit ihrem Kassahandel am Euronext-Modell zu beteiligen“, sagt Thain – wohl wissend, dass die Frankfurter auf diesen Vorschlag kaum eingehen werden. Denn dann müssten sie doch nicht nur ihre Clearingsparte abstoßen, sondern sich vermutlich auch von ihrem Termingeschäft trennen. „Eine Kombination zwischen den Terminmärkten der Deutschen Börse und Euronext könnte zu Problemen mit den Kartellbehörden führen“, warnt der Nyse-Chef.

Lange hält er sich mit der Frankfurter Konkurrenz aber nicht auf. Thain denkt bereits über seine nächsten Züge im globalen Börsen-Monopoly nach. „Der nächste logische Schritt für uns wäre eine Ausweitung in einen weiteren Währungsraum.“ Die Börse in Tokio habe ja bereits ihr Interesse bekundet, zu Nyse-Euronext zu stoßen, sagt der New Yorker Börsenchef.

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