Prokon-Anleger
„Ich habe Angst alles zu verlieren. Help!“

Verblendung, Nativität, Gier nach Rendite – das sind die Vorwürfe, mit denen sich Prokon-Anleger herumschlagen müssen. Trotz der Insolvenz stehen viele unverdrossen hinter dem Unternehmen. Die Reaktionen auf die Pleite.
  • 0

Der Eintrag klingt gefasst. „Prokon hat beim Amtsgericht Itzehoe die Insolvenz beantragt. Das wars.“ – schreibt am Abend des 22. Januar Martin Brandl, Mitglied im Forum der Webseite freunde-von-prokon.de. Er ist einer von den rund 5000 Menschen, die sich als Freunde des Windparkbetreibers Prokon bezeichnet haben. In den vergangenen Tagen organisierten sie regionale Treffen, gaben Interviews, beteuerten, dass sie an das Unternehmen glaubten.

Auch in Internetforen fochten Prokon-Anleger Vorwürfe an, ihre Investments seien gierig und naiv gewesen. Der Windpark-Betreiber versprach seinen Gläubigern Genussrechte mit Zinsen von bis zu acht Prozent - vielen Internetnutzern ist es unverständlich, wie andere ihr Geld zu solchen Renditebedingungen anlegen konnten.

Und während immer mehr Menschen die Prokon-Papiere kündigten, beklagten die Überzeugten, die Medien hätten das Unternehmen heruntergeschrieben und verwiesen auf die realen Sachwerte, die der Pleite-Firma zugrunde liegen würden.

Doch inzwischen macht sich unter den hartgesottenen Prokon-Anhängern Ernüchterung breit. Und manchmal Verzweiflung. „Ich habe gut 15.000 Euro vor drei Jahren investiert und am 29.12.13 Nachwuchs bekommen und benötige das Geld dringlich“, schreibt ein User mit dem Nicknamen „SoldierJonny“ unter einem Artikel von „Handelsblatt Online“ am Tag der Insolvenz. „Ich hab die ersten Tage dieses Jahres eine Kündigung meines Vertrags geschrieben und noch nichts davon gehört. Jetzt habe ich Angst alles zu verlieren und kein Geld für mein Kind aufbringen zu können…HELP!!!“

Die Angst ist begründet. Ob und wieviel die Prokon-Anleger von ihrem eingesetzten Kapital zurückbekommen, bleibt vorerst fraglich. Schließlich sind die Genussrechte, die viele von ihnen erworben haben, keine Fremdkapitalbeteiligungen, wie etwa Anleihen, sondern Eigenkapitalanteile. Im Falle einer Insolvenz werden diese nachrangig behandelt. Rund 75.000 Genussrechte-Inhaber hat das Unternehmen. Durch die Insolvenz drohen vielen von ihnen nun schmerzhafte finanzielle Verluste.

Doch nicht nur der Traum von guter Rendite platzt für viele Prokon-Gläubiger. Das Ende des Unternehmens bedeutet auch das Ende einer Philosophie. Vielen Anlegern ging es nicht um Genussscheine allein, sondern um die Idee von einer grünen, besseren Welt, die sie mit ihnen finanzieren könnten.

Seite 1:

„Ich habe Angst alles zu verlieren. Help!“

Seite 2:

Kein Vertrauen in den Vorstand

Kommentare zu " Prokon-Anleger: „Ich habe Angst alles zu verlieren. Help!“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%