Rally bei Rohstoffen
Der Börse droht ein Ölpreisschock

Der Ölpreis klettert rasant, und auch die Kurse an den Börsen haben seit den Tiefständen deutlich zugelegt. Dass der Rohstoff wie auch die Aktien so schnell und im Gleichschritt klettern, ist ein seltenes Phänomen. Es zeigt, in welchem Ausnahmezustand sich die Märkte immer noch befinden. Doch bald könnte es zurück auf den Boden der Tatsachen gehen.

FRANKFURT. Seit Dezember vergangenen Jahres, als ein Barrel der Marke WTI noch 35 Dollar kostete, hat sich der Preis des begehrten Schmierstoffs nahezu verdoppelt. Gestern wurden an der Börse in London rund 71 Dollar bezahlt. In früheren Zeiten hätte eine solche Rally für Unruhe gesorgt. Aber in diesen Tagen ist alles anders. Dass für Öl wieder mehr gezahlt werden muss, finden manche Experten sogar gut. Sie werten das als Zeichen für eine Erholung der Weltwirtschaft. Die Logik dahinter: Weil die Konjunktur anzieht, steigt die Nachfrage nach Öl und damit auch dessen Preis. Diese Aussicht auf den möglichen Aufschwung treibt wiederum die Kurse an den Aktienmärkten. Seit März legten die Indizes an den wichtigsten Börsen der Welt um 40 Prozent zu.

Die Rally bei Öl und Aktien hat eines gemeinsam: Fundamental ist sie nicht zu begründen. Die Wirtschaft müsste schon sehr stark und sehr schnell wachsen, damit der Anstieg gerechtfertigt wäre. "Das jetzige Niveau des Ölpreises nimmt eine deutliche Erholung der Weltwirtschaft vorweg. Und ich meine eine richtige Erholung, eine Stabilisierung der Wirtschaft reicht da nicht", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. Viele Aktienstrategen sagen das gleiche über die Börsen.

Doch was geschieht, wenn sich der große Optimismus der vergangenen Wochen als verfrüht herausstellt? Was ist, wenn der rasante Ölpreisanstieg - wie schon im vergangenen Jahr - nicht die Erholung der Weltwirtschaft widerspiegelt, sondern das Werk von Spekulanten ist?

Steigt der Ölpreis weiter, könnte dies den zaghaften Aufschwung, die viel beschworenen "Green Shoots", schnell plattmachen. "Wir bemerken schon jetzt einen negativen Einfluss des Ölpreises", sagt Norbert Braems, Chefvolkswirt bei Sal. Oppenheim. Allerdings ist er der Meinung, dass sich die Rohstoffpreise auf dem jetzigen Niveau stabilisieren werden.

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