Schatzsuche-Unternehmen
Gescheiterte Jäger der verlorenen Schätze

Ein Schatzsuche-Unternehmen lockte Anleger mit der Aussicht auf Schätze und üppige Gewinne. Doch für die meisten endete das Abenteuer mit einem Totalverlust. Nun müssen sich drei Ex-Manager vor Gericht verantworten.
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DüsseldorfIndonesien, September 1681. Im Hafen von Batavia werden unzählige schwere Kisten an Bord der „Soleil d’Orient“ verladen. Sie enthalten eine wertvolle Fracht: Der König von Siam schickt ein Gastgeschenk an König Ludwig XIV, den Sonnenkönig. Mit Gold, Silber, Diamanten und einem aus über 1.000 Teilen bestehenden Service aus purem Gold will er den französischen Monarchen von der Notwendigkeit einer Allianz zwischen den beiden Königreichen überzeugen.

Doch die wertvolle Fracht kommt nie in Paris an.

So weit ist die Geschichte des Segelschiffes historisch belegt. Seitdem ranken sich unzählige Gerüchte um das Verschwinden der „Soleil d’Orient“. Durch die stark rauchenden Botschafter aus Siam habe das Schiff Feuer gefangen, orakelte ein französischer Priester.

Was nach einer Angelegenheit für Marinehistoriker und Unterwasserarchäologen klingt, beschäftigt jetzt das Landgericht Düsseldorf in einem Strafprozess. Auf der Anklagebank sitzen drei ehemalige Manager der „Deep Sea Exploration“ (DSE), einem Schatzsuche-Unternehmen mit einer Niederlassung in Ratingen. Die Staatsanwaltschaft wirft Reinhard Wolff, Stefan Rieck und Ingo Kretschmann gemeinschaftlichen Betrug vor.

Mit dem Slogan „Bringing History to Light“ hat „Deep Sea Exploration“ in einem Prospekt bei Anlegern geworben, in das Unternehmen zu investieren. Sind die Schätze aus den gesunkenen Schiffen wie der „Soleil d’Orient“ erst gehoben, würde der Gewinn für die Kapitalgeber geradezu explodieren. Ein Vorhaben, welches das Abenteurer-Herz bei vielen höher schlagen ließ. Mehr als 15 Millionen Euro hat das Unternehmen zwischen 2001 und Oktober 2005 vornehmlich per Telefonwerbung eingesammelt – mit dem Versprechen, demnächst an die Börse zu gehen.

Von dem vorbörslichen Preis von 3,50 Euro pro Aktie könne sich der Kurs schnell auf bis zu 15 Euro entwickeln, versprachen die Telefonverkäufer. Rund 500 Anleger, vornehmlich aus Deutschland, gingen darauf ein und investierten in die Firma.

Das Problem: Es wurden nie nennenswerte Schätze an die Oberfläche gebracht, auf den angekündigten Börsengang warteten die Anleger vergebens. 2005 ging die „Deep Sea Exploration“ in die Insolvenz, zwei Jahre später wurde das Unternehmen aufgelöst. Was mit Träumen von Truhen voller Gold begann, endete für die meisten Anleger mit einem Totalverlust.

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