Sinkende Umsätze
Börse: Das Märchen vom trostlosen Handel

Die Nachricht klingt dramatisch: Nach neuen Zahlen ist der Handelsumsatz an der Deutschen Börse um die Hälfte eingebrochen. Doch trotz aller Klagen unter den Börsenmaklern ist der Einbruch gar nicht so schlimm wie es scheint. Für die Anleger haben die niedrigeren Umsätze auch eine gute Seite.

FRANKFURT. Broker beklagen sich schon seit langem über die dünnen Umsätze an der Deutschen Börse. Daraus wird dann schnell gefolgert, dass es sich bei der rasanten Rally der vergangenen Wochen nur um ein Strohfeuer handeln kann. Wenn die Umsätze mickrig sind, so die Logik, könnten die Kurse schnell wieder einbrechen. Klingt gut, wenn die Theorie stimmen würde. Tatsächlich ist der Handel gar nicht so dünn wie gerne behauptet wird.

"Wir hängen alle sehr stark an diesen Zahlen und sind dabei manchmal etwas kurzsichtig", sagt Klaus Stabel, Händler von der ICF Kursmakler AG. Fakt ist, dass die Umsätze zwar gefallen sind. Vor einem Jahr wechselten Aktien, Optionen und Anleihen für 164 Mrd. Euro den Besitzer, diesmal waren es nur noch rund 82 Mrd. Euro. Allerdings fällt nicht das aktuelle, sondern das vorherige Jahr aus dem Rahmen. An den Orderbuchumsätzen lässt sich gut ablesen, wie überhitzt die Märkte schon im Frühjahr 2007 waren. Die Börse verzeichnete monatliche Umsätze von mehr als 230 Mrd. Euro. Der Dax kletterte über die Marke von 8 000 Punkten.

Dann kam die Finanzkrise. Viele Anleger konnten gar nicht schnell genug verkaufen. Die Kurse brachen ein, die Umsätze aber blieben hoch. Die Panik an den Märkten führte zu neuen Rekordumsätzen. Unerreicht ist der Januar 2008, als an der Deutschen Börse rund 292 Mrd. Euro umgesetzt wurden. Auch im vergangenen Herbst, unmittelbar nach der Lehman-Pleite, waren die Umsätze gigantisch.

Im Vergleich mit dem Ausnahmezustand erscheinen die Umsätze heute gering; verglichen mit früheren Jahren aber keineswegs. Rund um die Jahrtausendwende war an der Börse weniger los - trotz des New-Economy-Hypes. Die Umsätze schwankten, von einem Ausreißer abgesehen, zwischen 50 und 80 Mrd. Euro. Erst Ende 2005 zog das Handelsvolumen kontinuierlich an.

Aufschlussreich ist auch ein Blick auf die Anzahl der monatlichen Transaktionen. Sie fiel - verglichen mit dem Vorjahr - um 17 Prozent auf 13,3 Millionen. Das ist ein deutlicher Rückgang, er fällt aber viel geringer aus als der Einbruch beim Umsatz. Außerdem liegt die Zahl der Transaktionen dreimal so hoch wie beispielsweise im Jahr 2001.

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