Skandal-Broker FX-direkt
„Die Bumslisten müssen verschwinden“

Blauäugige Banken, verschwundene Aufnahmen und leichtfertige Ermittler. Die Geschichte des Internet-Brokers FX-direkt befleckt den Ruf der gesamten Branche. Die Bank verzichtet bereits auf Dementis.
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Die E-Mail an die Mitarbeiter der FX-direkt Bank klang eindringlich: "Ich bitte Sie darum, umgehend alle Schreibtische und Büros aufzuräumen", hieß es in der Ansage unter dem Betreff: "Besuch". Vor allem die "Bumslisten" müssten "vorübergehend verschwinden". Bumslisten, so sollen in der Bank die Listen von zahlungskräftigen Kunden genannt worden sein, die von Kundenbetreuern zum Handeln auf der Plattform des Online-Brokers gedrängt werden sollten.

In den letzten Wochen dürfte bei FXdirekt wieder so einiges verschwunden sein. Die Finanzaufsicht BaFin ließ sich außerplanmäßig in Oberhausen blicken. Sie habe, heißt es aus Kreisen der Bank, gerade eine weitere Sonderprüfung im Haus beendet. Im Kern ging es um die Frage, ob Händler des Online-Brokers die Preise für außerbörsliche Produkte im Rahmen halten – oder ob sie es mit der Preisstellung zum Nachteil der Kunden übertreiben. FXdirekt ist Market Maker, das heißt, die Bank stellt die An- und Verkaufskurse für ihre Kunden.

Aufseher waren informiert und reagierten nicht

Die WirtschaftsWoche hatte über zweifelhafte Geschäftsmethoden bei dem Finanzinstitut berichtet, das Kunden ausgeplündert haben soll. Die Bank hatte Unregelmäßigkeiten in einer Stellungnahme zum ersten Bericht Anfang Oktober bestritten. Seither hat sie Fragen der Redaktion nicht mehr beantwortet.

Der Fall FXdirekt wirft Schatten auf die Arbeit von Aufsehern und Staatsanwälten. Sie sind offenbar seit Jahren über Probleme bei der Bank informiert – und taten im Ergebnis nichts. Staatsanwälte ermittelten wegen Betrug und Unstimmigkeiten bei einer Brokerwahl und stellten die Verfahren wieder ein.

Verschwundene Bänder

FXdirekt-Mitarbeiter sollen die BaFin-Prüfer nach allen Regeln der Kunst an der Nase herumgeführt haben. Kurz bevor die angemeldeten Prüfer anrückten, sollen gut informierte Mitarbeiter versetzt worden sein. Andere sollen dazu gedrängt worden sein, sich krankschreiben zu lassen, damit Prüfer nicht mit ihnen sprechen konnten.

Interessiert waren Aufseher an Aufzeichnungen der Telefonate mit Kunden. Sie wollten prüfen, ob Kundenbetreuer der Bank Anleger beraten haben. Anlageberatung war dem Broker verboten. In den FXdirekt-Büros soll es Apparate gegeben haben, deren Gespräche nicht aufgezeichnet wurden. Mitarbeiter sollen gewusst haben, welches Telefon zu benutzen war, wenn wieder mehr Umsatz gebraucht wurde. Offenbar stellten Führungskräfte vor einem Besuch der Aufseher Mitarbeiter ab, die Bänder abhören sollten. Bänder von Gesprächen, in denen Kunden beraten worden seien, sollen abhanden gekommen sein, sagen Insider.

Kommentare zu " Skandal-Broker FX-direkt: „Die Bumslisten müssen verschwinden“"

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  • Sammelklage???

    Ich stehe in Kontakt zu einem (mit der FX-direkt sehr erfahrenen) Anwalt, der für mehrere Mandanten die Stellung einer Strafanzeige gegen diese "Bank" und (da hier wohl nicht mehr viel zu holen ist) gegen Herrn Stobbe selbst vorbereitet.
    Dieser Strafantrag sollte auf eine möglichst breite Basis gestellt werden, sodass die Staatsanwaltschaft gar nicht mehr anders kann, als der Geschichte bis ins Detail nachzugehen.
    Ein eröffnetes strafrechtliches Verfahren - oder gar eine Verurteilung - erhöht dann natürlich die Erfolgsaussichten privatrechtlicher Schadensersatzforderungen.
    Eine Sammelklage im engeren Sinn gibt es im deutschen Rechtssystem so nicht.
    Es muss wohl jeder Geschädigte einzeln Strafanzeige stellen.
    Aber wer von Euch über eine Rechtsschutzversicherung verfügt - ich habe leider keine - für den sollte dies kein Problem darstellen.

    Insbesondere wäre es allerdings wichtig, wenn Ihr Euren subjektiven Empfindungen bezüglich zeitlich verzögert ausgeführter Orders oder kurzfristigen, nicht den Markt widerspiegelnden Kursschwankungen, konkrete Fakten beifügen könntet (z.B. über Telefonanrufe, Anlageempfehlungen mit möglichst genauer Datum/Uhrzeitsangabe).
    Vorallem hilfreich wäre eine Positionshistorie, welche ich im Dezember noch vollständig runterladen konnte, inzwischen scheint man da ja nicht mehr heranzukommen.
    Um einen Abgleich der Positionshistorien gegen "amtliche" bzw. "andere" Börsennotierungen werde ich mich bemühen.

    Bitte müllt mich nicht zu mit Sympathiebekundungen oder nicht verwertbaren subjektiven Eindrücken.
    Aber wenn Ihr konkrete Fakten in der Hand habt, und Euch einer Klagewelle gegen diese "Bank" anschließen möchtet und könnt, dann nehmt doch bitte mit Angabe einer Telefonnummer Kontakt mit mir auf. Ich rufe zurück.

    tbmails03@freenet.de

    Euer

    Thomas

  • Ich bin auch abgezockt worden . . .
    gibt es hier gute Fach-Anwälte, die ggf. schon Sammelklagen vorbereiten?
    Ich bin auf der Suche nach andere Geschädigten... bitte meldet euch bei mir
    handelsblatt(at)artifex.de

  • Nicht böse gemeint aber sind Sie (Carlcen) ehemaliger Mitarbeiter von FX Direkt?

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