US-Banken
Auch die Großen können untergehen

Das Lehman-Schreckgespenst geht wieder um. Anleger verkaufen Bankaktien und lassen die Kurse der US-Kreditinstitute rasant fallen. Selbst große Banken sind in Gefahr. Die Stimmung an der Wall Street verschlechtert sich.
  • 1

New YorkAn der Wall Street liegen die Nerven blank. „Das Umfeld im August war absolut brutal“, sagt Richard Handler, Chef der US-Investmentbank Jefferies, als er die jüngsten Zwischenergebnisse seines Hauses verkündet. Und er setzt noch einen drauf: „Der August war der drittschlimmste Monat in der Geschichte der US-Anleihemärkte nach dem September und Oktober 2008.“ Damals war Lehman Brothers pleitegegangen und die Finanzkrise nahm ihren Lauf.

Das Lehman-Schreckgespenst geht nun schon wieder um. Die Euro-Schuldenkrise und die schwache US-Wirtschaft lähmen das Geschäft der Banken. Erschwerend hinzu kommen die Altlasten der Krise von 2008: Viele Hausbesitzer können bis heute ihre Kreditschulden nicht begleichen, damals geschädigte Investoren verlangen milliardenschweren Schadenersatz von den Banken und die staatlichen Aufsichtsbehörden ziehen die Zügel an. All das schmälert die Gewinne.

Etliche Anleger sind angesichts der üblen Gemengelage bereits aus Finanztiteln geflüchtet: Seit Jahresbeginn ist der KBW Bank Index, der die Aktien von 24 größeren US-Kreditinstituten umfasst, um rund 30 Prozent eingebrochen. Ausgerechnet bei der schwergewichtigen Bank of America stellt sich die Lage besonders drastisch dar: Hier hat sich der Aktienkurs glatt halbiert. Das ist Gift für die Stimmung an der Wall Street.

Die Bank of America ist der Sorgenfall der Branche. Sie schreibt immer wieder Verluste, alleine im ersten Halbjahr summierte sich das Minus auf 7,4 Milliarden Dollar (5,4 Mrd. Euro). Die einflussreiche Ratingagentur Moody's hält mittlerweile sogar eine Pleite für grundsätzlich denkbar und stufte die Kreditwürdigkeit jüngst herunter. Moody's sieht auch bei anderen wichtigen Häusern eine gestiegene Gefahr, dass sie umkippen könnten.

Die Auswirkungen einer Pleite wären unabsehbar: Die Bank of America hat fast viermal so viele Vermögenswerte in ihren Büchern stehen wie Lehman Brothers. Sie besitzt eines der dichtesten Filialnetze des Landes und Abermillionen Kunden. Früher hätte sie als „too big to fail“ gegolten - zu groß, um unterzugehen. Doch diese Zeiten sind nach Ansicht von Moody's vorbei: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Regierung rettend eingreife, sinke. Der Staat ist selbst schuldengeplagt und geschwächt durch die letzte Krise.

Viele Banker stehen auch ohne das Horrorszenario einer Pleite vor einem Absturz: Bei der Bank of America fallen im Rahmen eines Sparplans in den kommenden Jahren 30.000 Jobs weg. Und selbst bei wesentlich gesünderen Rivalen wie JPMorgan Chase oder Goldman Sachs droht Mitarbeitern die Kündigung. Diejenigen, die bleiben dürfen, müssen sich auf schrumpfende Bonuszahlungen einstellen.

So war es schon immer an der Wall Street: In guten Zeiten quellen die Lohntüten über; in schlechten Zeiten fliegen die Leute gnadenlos raus. „Hire and Fire“ in Reinform. Ungewöhnlich aber ist der kurze Abstand zwischen Boom und Niedergang. Dass auf eine Krise direkt die nächste folgt, nagt am Nervenkostüm.

Die Analysten haben reihenweise ihre Gewinnschätzungen für die großen US-Banken zusammengestrichen. Mitte Oktober folgt dann die Stunde der Wahrheit. Dann verkünden die Wall-Street-Häuser ihre Ergebnisse für das dritte Quartal. Böse Überraschungen dürften da kaum ausbleiben.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " US-Banken: Auch die Großen können untergehen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Lasst sie endlich den Bach hinunterschwimmen.Kein Hahn kräht danach.
    Wer aus eigener Kraft nicht überleben kann, was sich nicht rechnet, hat auf dem Markt der freien Wirtschaft nichts mehr zu suchen.
    Würde man das fortlaufend zulassen, würde sich der Markt kontinuierlich selber -immer schön gleichmäßig bereinigen. Stattdessen hat man alles aufgetürmt,einen Bankrott laufend verhindert,fällt dieser riesige Berg jetzt, dann erschlägt er uns alle. Und, sie haben immer noch nichts begriffen.
    Hallo, wir haben doch eine Marktwirtschhaft, da geht halt auch mal einer baden- pleite. Auch diese hat Merkel ruck- zuck beseitigt.
    Merkel ist Europas Untergang- und Deutschlands Untergang.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%